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Dokumentation einer Pressemitteilung des BgAA bzgl. einer Veranstaltung zum Thema „Gaza“

14. Januar 2008

Wir dokumentieren im Folgenden eine Pressemitteilung/ Offenen Brief des „Bündnisses gegen Antisemitismus und Antizionismus (BgAA) Gießen“ bzgl. einer Veranstaltung zum Thema „Gaza“, zu der u.a. Prof. Udo Steinbach geladen wurde.

Am Dienstag, dem 16.06.08, soll in den Räumen der Alten Universitätsbibliothek eine
Veranstaltung zum Thema „Gaza“ stattfinden, bei der u.a.
Udo Steinbach als Redner auftreten soll. Udo Steinbach ist bekannt für seine
geschichtsrelativierenden und antisemitischen Aussagen.

Am Dienstag, dem 16.06.08, soll in den Räumen der Alten Universitätsbibliothek eine
Veranstaltung zum Thema „Gaza“ stattfinden, bei der
Udo Steinbach als Redner auftreten soll. Organisiert wird die Veranstaltung von mehreren Organisationen aus Gießen und der Umgebung. Der Internationalen Hilfsorganisation e.V., der Evangelischen Studierenden-Gemeinde (ESG), dem Ausländerbeirat der Stadt Giessen, der Medizinstudierenden der Uni Gießen, der katholischen Hochschulgemeinde Gießen, dem islamischen Studenten und Akademiker Bund (ISAB), sowie der Ausländische Studierendenvertretung.
Es sollen zwei Vorträge stattfinden, einer über die politischen Situation vor
Ort und zum anderen über die humanitäre Lage der Bevölkerung in Gaza.
Dazu werden Udo Steinbach, der von 1976 bis 2007 Leiter des in Hamburg ansässigen
Deutschen Orient Instituts (DOI) war und heute an der Universität Marburg als Dozent für Islamwissenschaften lehrt, sowie Dr. Zeliha Vural, die für die Internationale Humanitäre Hilfsorganisation e.V. (IHH) sowie die Islamistische Gemeinde Mili Görus (IGMG) in
Palästina bei humanitären Aufgaben tätig war, und zum Thema „Humanitäre Demütigung in Gaza“ referieren soll.
Die IHH – die „Internationale Humanitäre Hilfsorganisation“ – die auch eine der (mit-) veranstaltenden Organisationen ist, betreibt nicht nur eine intensive Zusammenarbeit mit der antisemitisch-islamistischen Vereinigung „Mili Görus“ (IGMG) sondern entstammt selbst diesem Umfeld; auf anderen Veranstaltungen zum Thema Gaza, die bspw. von der Mutterorganisation der IHH ausgerichtet wurden, kam es zu Szenen der Verbrüderung mit der islamfaschistischen Hamas, deren Anliegen darin besteht Israel zu vernichten. Ob ein ähnliches Szenario sich auch in Gießen wiederholen mag, bleibt abzuwarten, angesichts der geladenen Referenten kann man jedoch kaum das Gegenteil dessen erwarten.
So ist Udo Steinbach schon seit geraumer Zeit für seine anti-israelische Haltung und seine geschichtsverfälschenden Aussagen bekannt1 – wie bspw. am 6. Januar 2003 als er die
antisemitische Terrorintifada der Hamas und anderer islamistischer Gruppen mit dem
Aufstand im Warschauer Ghetto verglich: „Wenn wir sehen, wie israelische Panzer durch
palästinensische Dörfer fahren und sich die verzweifelten Menschen mit Steinen wehren,
dann müssen wir im Blick auf Warschau und im Blick auf den Aufstand der Juden im
Warschauer Ghetto auch fragen dürfen, war das dann nicht auch Terror?“ 2
Damit schweigt er nicht nur von den vernichtenden Selbstmordattentaten und dem
Raketenbeschuss Israels durch islamistische Fanatiker, sondern setzt zugleich die
Verteidigung Israels gegen seine Feinde, die es mit der totalen Vernichtung bedrohen, mit der des nationalsozialistischen Deutschlands gleich. Er betreibt
damit eine Relativierung der Shoa, die er als ein Verbrechen unter vielen nivelliert.
Im Zuge der israelischen Reaktion auf den anhaltenden Raketenbeschuss israelische
Dörfer und Städte im Januar diesen Jahres, kam Udo Steinbach als in Deutschland
anerkannter „Experte“ der Region und des Konflikt zu großer medialer Beachtung. Unter
anderem in der Tagesschau durfte er sein Bild des Konflikt wiedergeben, dass an
einseitiger Parteinahme für die islamistischen Terrorbanden in Gaza und andernorts kaum zu überbieten war. In seinem Beitrag wies er der israelischen Verteidigungspolitik die
die Alleinschuld an den Toten und Verletzen zu, den Raketenbeschuss durch die
Hamas relativierte er dabei geflissentlich („Raketenangriffe die selten wirklich treffen”)3 ;
in klassischer antisemitischer Argumentation, in seiner geopolitschen Reproduktion nun gegen den jüdischen Staat gerichtet ist, machte er die Israelis selbst für die erlittene Gewalt und den mörderischen Terror verantwortlich, der ihnen durch die antisemitische Terrorwelle widerfährt. Vielmehr droht er Israel implizit, wenn er Israel vorwirft mit seiner eigenen Sicherheit zu spielen, sollten sie sich gegen die beständigen Angriffe zur Wehr setzen.
So ist für ihn nicht der Terrorismus der dhjihadistischen Gruppen, deren
ausgewiesenes Ziel die Vernichtung Israels ist, zu verurteilen – sondern, dass Israel den
Palästinensern die Möglichkeit nehme „eine Intifada entfesseln“4 zu können.
In der Sendung „hart aber fair“5 , die den Gazakrieg zum Thema hatte, wurde Steinbach
erneut als Experte geladen und durfte dort auch seine Sichtweise auf den Konflikt
wiedergeben. Antisemitismus ist für ihn dabei ein Nebenschauplatz, die Shoah soll endlich Geschichte werden und damit aus dem Bewusstsein der Menschen verschwinden oder zumindest zurückgedrängt werden. Sein Anliegen und Interesse ist erklärtermaßen Gaza, nicht Auschwitz; da aber über Israel stets der dunkle Schatten von Auschwitz schwebt, der Staat Israel in einer Welt, in der Antisemitismus nach wie vor virulent ist, die höchstmöglichste Garantie ist, dass Auschwitz sich nicht wiederholen möge, ist es das Anliegen des Professors aus Marburg, jenen Teil der deutschen Geschichte in den Tiefen der Geschichtsbücher versinken zu lassen.
Das Problem heißt für ihn weiterhin Israel, welches ein „Land besetzt
halte“, „die Palästinenser vergewaltige und drangsaliere“6 . Nicht der offen geäußerte
Antisemitismus der Hamas und deren Krieg gegen Israel sind die Probleme, die es für
Steinbach zu lösen gelte; vielmehr leugnet er den antisemitischen Charakter der Angriffe
auf israelische Dörfer und Städte und spielt diese zu einer durch Israel erzeugten
Verzweifelungstat herab und gibt ihnen dadurch die Legitimation.
In derselben Sendung „enttarnt“ Steinbach – Walser gleich – ein Sprechverbot, dass den Deutschen auferlegt sei aufgrund der Shoah. Die „Antisemitismuskeule“ sei am Werk, wenn man den Antisemitismus für den Konflikt im Nahen Osten als (mit-)verantwortlich ansehe; als Deutscher könne er sich daher nicht frei äußern und dürfe Israel nicht kritisieren. Einmal mehr (re-)produziert er damit die antisemitischen Denkmuster, dass den
Juden und ihren Unterstützer eine Macht zuspricht, über die öffentliche Meinung zu
herrschen und damit jede Kritik abschmettern zu können7.
Zusammenfassend kann man sagen, dass der in die Gebäude der Universität geladene
Steinbach verspricht, antiisraelische und antisemitische Ressentiments zu bedienen,
indem er zum einen in unsäglicher Weise eine Nähe der israelischen Sicherheit – und Außenpolitik, zur nationalsozialistischen Vernichtungspolitik suggeriert
und gleichzeitig den antisemitisch motivierten Terror, der sich nicht nur gegen israelische
Staatsbürger richtet, sondern seiner Intention nach ganz klar gegen Juden und Jüdinnen,
relativiert, verharmlost und teilweise legitimiert. Dadurch schürt er nicht nur den Hass auf
Israel und fördert damit entgegen seine offiziellen Verlautbarungen nicht den Frieden im
Nahen Osten, sondern im Gegenteil, er verhilft dem antisemitisch motivierten islamistischen Terrorismus zu dessen intellektueller Unterstützung und Rechtfertigung.
Michael Leissler – Pressesprecher des Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus – äußert sich wie folgt dazu:
„Wir fordern eine Kündigung der Räume, da wir der Überzeugung, dass eine Veranstaltung solcher
Ressentiment geladener Tiraden, dem weit verbreiteten Antisemitismus Vorschub leisten
und nicht dazu geeignet ist Frieden in der Region des Nahen Ostens zu schaffen.
Ebenso fordern wir diejenigen Organisationen, die sich nicht mit dem antisemitischen und islamistischen Terror und seinen Apologeten gemein machen wollen, ihre Unterstützung für diese Veranstaltung, umgehend zurückzunehmen.“

Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus Gießen

  1. Vgl.1. http://www.hagalil.com/petition/04-05/brief.htm 2. Manifest der 25 → http://anomy.blogsport.de/2008/04/23/flugblatt-gegen-die-udo-steinbach-veranstaltung/ [zurück]
  2. http://www.hagalil.com/petition/04-05/brief.htm [zurück]
  3. Tagesthemen, 26.02.2009, 22:45 Uhr → http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video428352.html [zurück]
  4. Ebd. [zurück]
  5. „Hart aber fair“ 26.01.09. siehe: http://www.wdr.de/themen/global/webmedia/webtv/getwebtv.phtml?p=4&b=215 [zurück]
  6. Ebd. [zurück]
  7. Aus Walsers „Moralkeule“ Auschwitz, die er sekundär-antisemitisch herbeihalluzinierte, ist die „Antisemitismuskeule“ geworden. Kritik am Antisemitismus wird abgeblockt im Medium des Antisemitismus: Auch noch mit dem Antisemitismusvorwurf wollen die Juden den unschuldigen Deutschen weh tun. Darüber hinausgehend impliziert die „Antisemitismuskeule“ zweierlei. Zum einen die Sublimierung von Möllemann. Man distanziert sich davon, dass die Juden für den Antisemitismus verantwortlich sein sollen. Im gleichen Atemzug wird dann nachgelegt, dass es die von Juden geschwungene Antisemitismuskeule ist, die den Antisemitismus hervorruft. Zum anderen ist die „Antisemitismuskeule“ ein Einsatz im Kampf um Definitionsmacht: die Antisemiten wollen fortan selber definieren, was Antisemitismus ist. Den Juden in Deutschland soll damit ihre einzige Widerstandsmöglichkeit genommen werden: nämlich das beim Namen zu nennen, was ihnen angetan wird.
    Zwilling der „Antisemitismuskeule“ ist die Rede vom „Tabubruch“: In Deutschland stand niemals – wie behauptet wird – Kritik an Israel unter einem „Tabu“. Geächtet war einzig und allein die offene Artikulation von Antisemitismus im politischen Feld und in der veröffentlichten Meinung. In der Rede vom „Tabu“ werden die Juden ein weiteres Mal als strafende Instanz imaginiert. Diese Figur hat eine ganz bestimmte Wirkung. Nämlich die Grenzen zu erweitern, in denen offene Artikulation von Antisemitismus möglich ist. → http://www.hagalil.com/antisemitismus/deutschland/antisemitismus/nation.htm
    [zurück]
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Redebeitrag Marburg (24. Januar)

Redebeitrag anläßlich einer Solidaritätskundgebung für Israel am 24. Januar 2009

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde Israels

Heute haben wir uns hier zusammen gefunden um unsere Solidarität mit dem Staat Israel und unsere Befürwortung der aktiven Selbstverteidigung zum Ausdruck zu bringen.
Israel befindet sich im Kriegszustand. Seit dem Ben Gurion die Unabhängigkeit des Staates Israel 1948 ausrief, wird dieser Staat mit Krieg und direkten Terrorakten überzogen. Hierbei soll nur kurz erwähnt werden, welche Fronten sich hier gegenüberstehen.
Israel hat es geschafft, sich in Angesicht der Schrecken des Holocaust in Deutschland und trotz der antisemitischen Internationale, zu einem säkularem, demokratischen und freiheitsbejahenden Staat zu endwickeln. Genau das was seine Gegnerinnen dem Staat Israel vorwerfen, nämlich selber zu Täterinnen und menschenverachtenden Ideologinnen wie die deutschen Nazis geworden zu sein, ist nicht der Fall, sondern nichts anderes als politische Propaganda. Und dies muss unserer Meinung nach heutzutage mehr denn je betont werden. Die Israelis standen und stehen auch heute noch in einem demokratischen Prozess, welcher ihnen ermöglicht an politischen und gesellschaftlichen Ereignissen und Begegnungen Teilzuhaben. Dies führte, unter anderem, dazu, dass Israel die einzige Demokratie im Nahen Osten wurde und als einziger Staat in dieser Region den Menschen die in ihm leben soviel individuelle Freiheit angedeihen lassen konnte, wie es eine bürgerliche Demokratie zu tun vermag. Bürgerliche Standards wie freie Auslebung der Sexualität, Freiheit des Konsums aber auch die Artikulation oppositioneller Gedanken und Positionen werden in Israel garantiert. Über all diesen Errungenschaften die Israel im Laufe der Jahrzehnte (und hoffentlich auch weiterhin) erreicht hat, schwebt seit Anbeginn der Existenz dieses Staates der Krieg. Dieser, und so wollen wir hier ausdrücklich hervorheben, wird gegen Israel geführt und geht nicht von den Israelis aus. Das was passiert wenn die Israelische Armee im Libanon oder wie jetzt im Gazastreifen einmarschiert , ist kein Angriffskrieg, geschweige denn ein oftmals unterstellter Holocaust an den Palästinensern, sondern eine notwendige militärische Operation gegen eine menschenverachtende, bewaffnete Kampftruppe, welche die Existenz und das Leben der Israelis verachtet, heißen sie nun Hisbollah oder Hamas. Diese Gruppen fungieren als bewaffneter Arm eines politischen Islams. Was sie dem Staat Israel entgegensetzten ist pure Gewalt und Zerstörungswille. Die oben erwähnten Errungenschaften des Staates Israel treten sie mit Füßen und würden lieber jetzt als später eine Schreckensherrschaft auf der Grundlage der Islamischen Rechtssprechung, nämlich der Sharia, und mit den Mitteln des Dschihads über die ganze Welt legen. Dies gilt es zu verhindern!
Wer das denkt und, wie wir heute, auch laut ausspricht, sieht die Verteidigung Israels nicht nur als Verteidigung seiner bestehenden Grenzen, sondern auch als Teil eines Kampfes der Aufklärung gegen den regressiven politischen Islam.

Auch ist es heute unser Anliegen, deutlich zu machen, dass wir für unsere Position, jeglichen Ratschlag an Israel unterlassen werden. Wir denken, dass es nicht in unserem ermessen liegt zu beurteilen, wie Israel sich zu verteidigen hat oder nicht. Vielmehr ist es heute ein Anliegen von uns, den oben erwähnten politischen Islam und seine Anhängerinnen zu betrachten und zu kommentieren. Was sich in den letzten Wochen rund um den Globus an antisemitischen Greul offenbarte, erschrickt und beängstigt uns.
Die Proteste, die vielerorts eher Aufmärschen glichen, sind an antisemitischen Ressentiments und einseitiger Sichtweise und Verdrehung von Tatsachen kaum zu schlagen. Und eben dies birgt eine Gefahr, deren Ausmaß sich nur schwer abschätzen lässt. Dass aber die Antizionistinnen und Antisemitinnen Weltweit Gewehr bei Fuß stehen, was in manchen Gegenden wortwörtlich zu nehmen ist, und zu zehntausenden (!) z.B. in Frankfurt am Main demonstrieren, lässt auf eine gesteigerte Popularität des Widerstands gegen Israel und ihrer Verbündeten schließen. Der politische Islam befindet sich im Aufbruch und wird hierbei seit Jahren durch Appeasement Politik von Regierungen oder Multi-Kulti Verbänden unterstützt. Wir wollen hier auch deutlich machen: Es geht uns nicht darum den hier Lebenden Muslimen das Wort zu verbieten, geschweige den in Rassistische Denkmuster zu verfallen. Die Kritik an Religionen und Staaten und an deren ideologischen Lebensvorschriften unter Androhung des Todes ist International, oder sollte es zumindest sein.
Der „Friedensmob“ findet immer mehr Anhängerinnen und artikuliert sich im Gegensatz zu früheren Jahren immer unverhohlener religiös statt links. Nichtsdestotrotz reihen sich Teile der Linken nach wie vor in jene Aufmärsche ein und zeigen den Kern ihrer traditionell pro-palästinensischen Haltung. Dieser scheint sie nicht entfliehen zu können oder zu wollen.
Daher kann unsere Minimalforderung an alle sich als emanzipativ verstehenden Kräfte nur lauten: Solidarität mit Israel!
In diesem Sinne unterstützen wir die Befreiung des Gazastreifens von der Hamas und jeglichen antisemitischen Banden.

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Remember 9-11 – Remember Ground Zero

Flugblatt, das anläßlich des Jahrestags der Attentate am 11. September 2001 verfasst wurde. Eine gelayoutete pdf-version gibt es hier.

Remember 9-11 – Remember Ground Zero!

Vom (Nicht-)Ende der Geschichte

Am 11. September 2001 wurde auf brutalste Art und Weise die These Fukuyamas vom Ende der Geschichte widerlegt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass dies nicht der Fall war – vielmehr brach (erneut) die „Dialektik der Gegenaufklärung“ (Bruhn) ihre Bahn: „It is not the end of history. The 21st century began with a battle of ideas, and this battle is about the values of the West versus those of Islam.” (Hirsi Ali 2007).

Die seit dem Ende des Kalten Krieg vorherrschende außenpolitische Orientierungslosigkeit der USA, die Charles Krauthammer „our holiday from history“ nannte, wich dem notwendig gewordenen „war on terror“ (vgl. Keller 2008, 176).

Von der Erklärung des Krieges

Die Anschläge des 11. Septembers waren eine Kriegserklärung, die Angreifer wollten den Krieg, somit implizierten die Anschläge damit bereits den „war on terror“ – er war nämlich die einfache und bewusste Konsequenz einer solchen politischen Tat (vgl. Dahlmann 2006, 238). Der „Solidaritätsbonus“ der Europäer, den sie in den Tagen nach dem elften September noch lauthals verkündeten, war schnell dahin, als sie merkten, dass es die USA mit ihrem „war on terror“ ernst meinten und auch gewillt waren, diesen mit Waffengewalt durchzusetzen.

Die USA waren gezwungen, sich zu dieser Kriegserklärung zu verhalten, die nicht nur eine an den Staat gerichtete war, sondern eine Kriegserklärung gegen die westliche Zivilisation und damit gegen (bürgerliche) Freiheit, Demokratie, (sexuelle) Freizügigkeit, Dekadenz, Individualität, Selbstbestimmung des Subjekts, bürgerliches Glücksversprechen, Luxus usw..

So blieb den USA nur die Wahl zur Bereitschaft diesen Krieg zu führen, wenn sie sich nicht dem Willen der Angreifer beugen würden wollen (vgl. ebd.). Für Norman Podhoretz, einer der intellektuellen Köpfe der US-amerikanischen Neocons, befinden sich die USA im Vierten Weltkrieg1, aus dem sie seiner Einschätzung nach wie aus dem Ersten sowie Zweiten Weltkrieg und aus dem Kalten Krieg siegreich hervorgehen werden (vgl. Keller 2008, 186).

Den USA blieb vor allem deswegen keine Alternative, da die Angreifer des elften Septembers sich offensichtlich in einer Art „verlagertem Bürgerkrieg“ sehen; sind doch für sie auch fast alle Staaten, die sich dem politischen Islam verpflichten sehen entweder von Zionisten besetzt oder mit Regierungen ausgestattet, die von Zionisten aus den USA oder deren Marionetten ausgehalten und damit bestimmt werden (vgl. Dahlmann 2006, 240). Ebenso gibt es – seitens der Djihadisten – kein erklärtes Kriegsziel als das der Vernichtung. Die Kreise derer, die dieser zum Opfer fallen werden beständig erweitert; nicht ein politisches Ziel steht im Zentrum ihres Handelns, sondern die möglichst massenhafte Vernichtung jener, deren Gemeinsamkeit lediglich darin zu bestehen scheint, eben zur falschen Zeit am falschen Ort anwesend (gewesen) zu sein (vgl. Antideutsche Kommunisten Berlin o.J.).

Von Projektion und Hass aufs Abstrakte

Doch dies allein macht noch nicht die Spezifität der Anschläge des 11. Septembers aus:

Bin Laden und die seinen Willen und Ideen ausführenden Kameraden brachten zu Beginn des neuen Jahrhunderts erneut das zur Geltung, was bestimmender Aspekt des gerade vergangen Zwanzigsten war: den eliminatorischen Antisemitismus.2

Wie auch ihre in puncto Antisemitismus historischen Vorläufer und Vorbilder – die deutschen Nationalsozialisten – artikuliert sich in dem Antisemitismus der Djihadisten der Hass auf das Abstrakte.

Das von ihnen und ihren brothers in crime nicht durchdrungene Kapitalverhältnis wird nur unter Aspekt des Abstrakten wahrgenommen, und dieses wiederum nur in einer personifizierten Form: „[B]ereits ein Blick auf New York und das World-Trade-Center (WTC) als Hauptziel des Anschlages [reicht] aus, um erkennen zu können, wer oder was getroffen werden sollte: das WTC war nicht nur ein Symbol für Luxus und Konsum oder „westliche Werte“, es diente auch als Projektionsfläche für einen Antisemitismus, der sich die weltweiten Finanzströme nicht anders als in personifizierter Form erklären will, für den schon immer „die Juden“ dahinter steckten.“ (AK Antifa/ AMS 2001)

Von Personalisierung und Territorialisierung

Das ‚Jüdische’, das ‚jüdische Prinzip’ muss in einem Leib, in einem Körper gerinnen, d.h. muss konkretisiert werden – denn nur der Körper, der Leib ist für den Antisemiten angreifbar und kann gequält und letztendlich vernichtet werden3. Es ist – wie Jean-Paul Sartre einmal feststellte – der Antisemit, der bestimmt wer Jude ist4 (vgl.Sartre 1994, 44) und so bestimmt auch der Antisemit in welcher Person das ‚jüdische Prinzip’ auszumachen ist.

Ebenso wird jenes, was als das‚Jüdische’ ausgemacht wird, das was als das ‚jüdische Prinzip’ gilt, territorialisiert. So wie der Antisemit die Personifizierung des von ihm so verhassten ‚jüdischen Prinzips’ vornimmt, so bestimmt er wo und in was sich dieses manifestiert.

Einstmal war es die „city of london“, in welcher sich jenes Prinzip für den Antisemiten manifestierte, heute ist es die us-amerikanische Ostküste5 und im speziellen New York.

„Mit der Zerstörung des World Trade Center wurde dieser Kriegserklärung [an die USA – c.l.] die Botschaft gleich mit auf den Weg gegeben, wen diese Angreifer in ihrem antisemitischen Furor für alle Übel dieser Weltherrschaft verantwortlich machen: das spekulative Finanzkapital.“ (Dahlmann 2006, 237).


Von verbotenen Träumen

Die verbotenen Träume6, welche die islamistischen Jungmänner umtreiben, werden projiziert auf die westliche Welt, die ihnen als ungläubige, als die Welt der Ungläubigen gilt. Die Aggression die aus ihren eigenen Versagungen entspringt, wird auf die gelenkt, die in ihrem Wahn als das klassische Sinnbild westlicher Dekadenz gelten: die Juden (vgl. Wilting 2002, 47). Wieder einmal entsteht in ihrem Wahn eine unzertrennbare Melange aus westlicher Welt, ‚jüdischem Prinzip’, Dekadenz und ‚den Ungläubigen’, welche die Projektionsfläche für sie darstellen. „Da sie die westliche Welt, konkretisiert in den Juden, nicht verdrängen können, wie die eigenen Triebansprüche, diese vielmehr mit aller Macht auf eine Einlösung drängen, können sie sie nicht ignorieren, den Juden und den Westen. Das Begehrte zu zerstören ist dann die einzige verbleibende Annäherung ans Objekt; so werden sie nicht lassen können von Israel, von der dekadenten Welt überhaupt.“ (Wilting 2002, 47).

In jenem Zusammenhang ist auch die Zerstörung des WTC durch islamistische Jungmänner zu betrachten. Gerinnt doch für jene im WTC die Dekadenz der westlichen Welt und das ‚jüdische Prinzip’.

Vom Kult des Opferns und des Todes

Wie auch in den anderen Selbstmordattentaten, die durch den islamischen Terrorismus verübt wurden und werden, offenbarte sich im Attentat von 9-11, der diesem Terrorismus inhärente Todeskult; jener Todeskult der das suicide bombing ausmacht.

Das Subjekt, welches das suicide bombing begeht, kann das von ihm verursachte Resultat seines Handelns, die Auswirkungen dessen selbst, nicht mehr erfahren, denn es opfert sich selbst. Ein Opfer, das bereits in die Konzeption des Anschlages fest integriert und eingeplant ist; der Anschlag entfaltet sich erst aus dem Opfer(n) heraus – es ist die Essenz dessen. So ist das (Selbst-)Opfer zentraler Referenzpunkt des Anschlages. Getroffen werden sollen jene, die in den Augen der Attentäter nicht zum Opfer(n) bereit sind, die an der diesseitigen Welt und ihrem Leben hängen (vgl. Scheit 2006, 38) – dies kulminiert dann in der djihadistischen Parole: „Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod.“ (zit. n. Broder 2006, 137).

Von Jubel und Freude

Es rauchten noch die Trümmer des WTC, als für jene Linke, für die der Hauptfeind jenseits des Atlantiks steht, klar war: dies war eine antiimperialistische und antikapitalistische Tat, ein Aufschrei der unterdrückten Völker im Herzen der vermeintlichen Bestie, den es zu begießen gelte. Diese solidarische Zärtlichkeit wurde auch sogleich handfest praktiziert und so konnte man weite Teile dieser Linken, auch jene Teile, die sich sonst gerne einmal unversöhnlich gegenüberstehen, an diesem Abend beobachten wie sie einträchtig im Autonomen Zentrum oder in der linken Kneipe ums Eck, in der der Wirt bzw. das Kneipenkollektiv einen ausgab, sich einander – ob dessen, dass den USA endlich das widerfahren sei, was sie seit langem verdienen – zuprosteten. Der Antiimp schwadronierte vom Aufstand der Peripherie, der ins Zentrum getragen wurde und der Anarcho schwärmte von der Propaganda der Tat – waren sie sich sonst auch spinnefeind, an jenem Abend kannten sie nur Antiamerikaner, nur noch Feinde der Zivilisation.

„Der 11. September hat dann zum Vorschein gebracht, wie weit jetzt der Fortschritt der Gegenaufklärung gediehen ist. […] Dem militanten Projekt der Gegenaufklärung, das 1789 beginnt, in der Wannsee-Konferenz kulminiert und jetzt, nicht nur im Islamfaschismus, auf neue Konjunktur lauert, steht nur die gelangweilte Aufklärungsverachtung von links gegenüber.“ (Bruhn 2002, 219ff.)

comité liberté, Gießen im September 2008.

AK Antifa/ Assoziation Marxistischer StudentInnen Gießen (AMS) 2001: „Zum 9. November 2001“ : http://www.links-net.de/antibla/flyer091101.htm

Antideutsche Kommunisten Berlin o.J.: „Das Ende der Nachkriegszeit“: http://adk.atspace.com/pub/welt/Weltunordnung.html

Benz, Wolfgang 2004: „Was ist Antisemitismus?“, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn.

Broder, Henryk M. 2006: „Hurra, wir kapitulieren!“, wjs Verlag, Berlin.

Bruhn, Joachim 2002: „Zur Dialektik der Gegenaufklärung“ in Redaktion Jungle World (Hg.): „Elfter September Nulleins“. Verbrecher Verlag, Berlin, S. 217 – 224.

Dahlmann, Manfred 2006: „Souveränität und Gegensouverän“ in Grigat, Stephan (Hg.): „Feindaufklärung und Reeducation“, ca ira, Freiburg.

Gran, Edward 2006: „In memorian Ilan Halimi – zum Verhältnis von Antisemitismus und Antikapitalismus“ in: „light up – one line of defense“ Nr. 1 (Zum Download unter: http://comiteliberte.blogsport.de/images/lightup_final.pdf) oder: http://gran.blogsport.de/texte/

Hirsi Ali, Ayaan 2007: “The role of journalism today”: http://www.aei.org/publications/filter.all,pubID.26367/pub_detail.asp

Keller, Patrick 2008: “Neokonservatismus und amerikanische Außenpolitik”, Ferdinand Schöningh, Paderborn.

Sartre, Jean-Paul 1994: „Überlegungen zur Judenfrage“ in ders.: „Überlegungen zur Judenfrage“, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, S. 9-93.

Scheit, Gerhard 2006: „Hass auf die Juden als Bereitschaft zum Opfer – Über den Antisemitismus“ in: Initiative gegen Antisemitismus und Rassismus in Europa (Jugare), Erlangen/ Nürnberg und Gruppe zur Bekämpfung des Antisemitismus heute, Frankfurt am Main (Hg.): „In antisemitischer Gesellschaft“, o.O., S. 38-43.

Wilting, Natascha 2002: “Psychopathologie des Islam” in: Bahamas Nr. 38, Berlin, S. 41 – 47.

  1. Für Norman Podhoretz (und auch andere) gilt der Kalte Krieg als der Dritte Weltkrieg. [zurück]
  2. Deutlich wird dies auch daran, wenn ehemalige Bekannte Attas, dem Anführer der Attentäter des 11. Septembers, ihm ein „nationalsozialistisches Weltbild“ bescheinigen; wie man in der Spiegel-Ausgabe des 2. September 2002 nachlesen kann. [zurück]
  3. Wie in jüngerer Zeit der grausame Mord an Ilan Halimi durch die „Gang der Barbaren“ wieder einmal eindrücklich vor Augen führte (näheres zum Mord an Ilan Halimi, siehe Gran 2006). [zurück]
  4. So wird Göring auch der Ausspruch nachgesagt: „Wer Jude ist, bestimmte ich“ (zit n. Benz 2004, 16) [zurück]
  5. Parallel dazu wurden die jeweiligen Regierungen jener Staaten in der sich diese Orte befanden als die aktuellen (Haupt-)Träger jüdischer Interessen ausgemacht, d.h. die britische Regierung und die us-amerikanische Regierung. [zurück]
  6. Inwiefern sich diese äußern und wie sie entstehen, siehe Wilting 2002. [zurück]
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Das grün-braune Band der Holocaustleugnung, das eint

Anläßlich des in Gießen – wegen Volksverhetzung – stattfindenen Prozesses, gegen den ehemaligen hessischen Landesvorsitzenden der NPD Marcel Wöll, erschien der folgende Text. Als pdf-Version gibt es ihn hier

Das grün-braune Band der Holocaustleugnung, das eint

Deutschland befand sich im WM-Fieber, mitten bei in diesem Getümmel; die Fußball-Elf der Islamischen Republik Iran. Anlaß für Mahmud Ahmadinejad, seines Zeichens Präsident eben jener Republik sich für eine Stippvisite in dem Land, in dem der eliminatorische Kern des Antisemitismus seine volle Blüte erlangte, anzukündigen; sein Ziel: Frankfurt am Main.

Dort wurde er schon freudig erwartet von Marcel Wöll und seinen Volksgenossen der „Gruppe Nationaler Sozialisten“ und seinen Kameraden der hessischen NPD.

Die deutschen Nationalsozialisten sind begeistert von diesem iranischen Präsidenten der gleichzeitig aktuelles Aushängeschild des politischen Islams ist, der den Holocaust leugnet und Israel von der Landkarte tilgen will. Anlässlich des bevorstehenden Besuches erinnerte Wöll an die lang andauernde islamisch-deutsche Freund- und Waffenbrüderschaft wie sie sich u.a. in der Form von islamischen Freiwilligen in der Waffen-SS ausdrückte und erklärte freimütig: „Herr Ahmadinedschad hat einige Sachen ausgesprochen, die einfach mal ausgesprochen werden müssen.“ (zit. n. Hessenschau 2006). Doch die Freundschaft ist nicht einseitig; so war nicht nur der damalige Mufti von Jerusalem, ein großer Freund des Deutschen Reiches und persönlich bekannt mit etlichen führenden Nationalsozialisten; sondern auch zur Verurteilung Eichmanns in Jerusalem erklärten etliche Zeitungen im arabischen Raum ihre Begeisterung für dessen Taten und die der Deutschen; auch in den heutigen Tagen ist die Begeisterung für Hitler und die (damaligen) Deutschen ungebrochen.

Anfang 2007 schickte sich Marcel Wöll an, seinem islamistischen brother in crime Ahmadinejad nachzueifern und bezeichnete Auschwitz (und damit auch andere Stätten des deutschen Programms der Vernichtung) als „Stätte des so genannten nationalsozialistischen Terrors“, das Gedenken an die dortigen Opfer des deutschen Vernichtungswahns als „Gehirnwäsche“ (zit. n. Hessenschau 2007)1.

Ebenso bietet es sich für deutsche Nazis an, die Shoah zu leugnen, indem sie öffentliche Verlautbarungen anderer Persönlichkeiten zitieren, wie bspw. den Direktor der Abteilung für Iranische Studien, Abbas Salimi Namin (vgl. comité liberté 2006).

Wie der Prozess gegen Wöll anzeigt (und auch bspw. der Prozess in Frankreich gegen den unten erwähnten Robert Faurrison) steht die Leugnung des Holocausts in etlichen Staaten unter Strafe – d.h. es ist im Recht festgeschrieben. Das Recht jedoch ist auf einen souveränen Staat beschränkt, das Völkerrecht (und damit ein „transstaatliches Recht“) existiert als Recht nicht (vgl. Scheit 2004, 63); das Völkerrecht, das auf das Recht zwischen den Staaten zurückgeworfen ist, ist nur ein sollendes Recht, d.h. ein Recht das eingehalten werden soll, da die Staaten sich gegeneinander im Naturzustand befinden (vgl. Hegel 1986, 501f.). Daher kann der Iran für die Organisation und Ausführung bspw. einer Konferenz, welche die Leugnung des Holocaust zum Inhalt hat, nicht belangt werden.

So organisierten Ahmadinejad und das iranische Außenministerium dann auch Ende des Jahres 2006 eine Konferenz der Holocaust-Leugnung in Teheran; dies stellt insofern eine Zäsur da, da erstmals ein großes und politisch bedeutendes Land damit die Leugnung des Holocausts zur offiziellen Staatsräson erhoben hat. Matthias Küntzel arbeitet heraus, dass der Zweck jener Leugnerkonferenz ebenfalls eine Zäsur darstellte, denn wollten bisher die Holocaust-Leugner die Vergangenheit revidieren, geht es dem Iran um eine Gestaltung der Zukunft2 und wie diese Zukunft aussehen soll hat Ahmadinejad und andere Repräsentanten der Islamischen Republik Irans durch ihre Vernichtungsdrohungen gen Israel und dem Vorantreiben des iranischen Atomprogramms mehr als deutlich gemacht. So soll durch Leugnung des Holocaust die Legitimität Israels negiert werden – allerdings mit der Option, dass wenn es denn den Holocaust wirklich gegeben haben soll, ein israelischer Staat erst recht nichts auf der arabischen Halbinsel verloren habe; Ziel ist in beiden Fällen die Zerstörung Israels3 (vgl. Küntzel 2006). Ahmadinejads Schlussworte auf der Konferenz lauteten dann auch entsprechend: „Das zionistische Regime wird wegradiert und die Menschheit befreit werden.“ (zit. n. Küntzel 2006).

Versammelt hatte sich in Teheran eine bunte Schar der Holocaustleugner, von Vertretern des politischen Islams in Gestalt der iranischen Staatsoffiziellen, über deutsche Nazis, bis hin zu sich als (ehemals) links verstehenden Holocaustleugnern wie Robert Faurisson.

Bernhard Schaub, ein bekannter Holocaustleugner aus der Schweiz und ebenfalls Teilnehmer an der Iraner Leugnerkonferenz, war nach seiner Rückkehr voll der Begeisterung sowohl für den Iran als auch für dessen (staatliche) Institutionen und erklärte, dass seine Erwartungen an die Leugnerkonferenz noch über alle Maße übertroffen wurden (vgl. http://video.google.de/videoplay?docid=-2149603869539443043&q=faurisson
&ei=4i5cSJn0NJSW2QLD15yOAQ [– bezeichnend ist, dass der Titel jenes angegebenen Videos „Die frohe Botschaft von Teheran“ lautet] ).

Der iranische Außenminister, der zu Beginn der Leugnerkonferenz sprach, machte deutlich, dass die gegenwärtige Geschichtsschreibung als eine vom Westen formulierte anzusehen sei; der politische Islam, mit dem Iran an der Spitze, möchte dieser gegenüber eine neue geschichtliche „Wahrheit“ kreieren, in welcher der Holocaust nur mehr als Mythos erscheint, jede Abweichung davon gilt als Symptom der „Judenherrschaft“ (vgl. Küntzel 2006).

Die Leugnung des Holocaust ist ein auf die Spitze getriebener Antisemitismus, in dem einmal mehr die universelle Allmacht von Juden und Jüdinnen beschworen wird4; und damit ist in jeder Leugnung des Holocaust implizit die Aufforderung zur Wiederholung enthalten (vgl. Küntzel 2006).

So – wie auch die wiederholten Vernichtungsdrohungen gegenüber Israel seitens des Irans – war die Leugnerkonferenz für die EU, die UN und den meisten anderen Staaten (mit Ausnahme einiger weniger wie bspw. den USA und natürlich Israel) kein Grund das gegenüber dem Iran betriebene Appeasment zu revidieren und damit den „kritischen Dialog“ aufzugeben – im Gegenteil, so wurde die Dialogbereitschaft – von Seiten der UN – nach der Leugnerkonferenz erneut bekräftigt (vgl. Küntzel 2006).

Doch auch die Linke ist nicht vor der (Unterstützung der) Leugnung des Holocaust gefeit, so unterzeichnete der in der Linken so beliebte universitäre Antizionist Noam Chomsky – der stets in den USA und Israel diejenigen erblicken mag, die das Unglück über die Welt bringen –, 1979 eine Petition für den – oben bereits erwähnten – Holocaust-Leugner Faurisson und verteidigte ihn gegen die vorgebrachten Vorwürfe des Antisemitismus. Faurisson verstand sich (zumindest anfangs) als Linker – heute ist er Teilnehmer an der Holocaust-Konferenz in Teheran und erklärt (vorwiegend in Medien und Konferenzen des arabischen Raumes), dass der Kampf gegen Israel und die Leugnung des Holocaust, beides Teile eines gemeinsamen Projektes darstellen (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Faurisson). Diese Kombination entfaltet seine Wirkmächtigkeit derzeit im Iran, was durch dessen vermutlich baldige Erlangung atomarer Bewaffnung, die Ausmaße dessen aufs drastische verschärft.

Auch eine in der Linken beheimatete Gruppe die Antiimperialistische Koordination (AIK), die ebenfalls das Unglück der Welt in den USA und Israel verorten und deren erklärtes Ziel der Kampf gegen jene beiden Staaten ist (z.B. durch die Kampagne „10 Euro für den irakischen Widerstand“), hat bereits einen Holocaust-Leugner hofiert: Ibrahim Alloush.

Die AIK war sich in Folge nicht zu blöde, nachdem es antifaschistischen Protest gegen das Hofieren von Holocaust-Leugnern hagelte diesen auch noch in Schutz zu nehmen.

So schrieb die AIK als Antwort auf die Proteste: „Auf absehbare Zeit besteht keine Gefahr des Wiederaufstiegs des Nationalsozialismus und des mit ihm verbundenen Antisemitismus. Die Hauptgefahr für die Völker der Welt (…) besteht in der Weltherrschaft der USA und ihrer europäischen Verbündeten, die Ausbeutung, Unterdrückung und Verweigerung der Selbstbestimmung bedeutet. […]

Daher müssen wir alle Kräfte unterstützen, die real gegen den Imperialismus kämpfen, so fern sie uns in ihren Ideen auch stehen mögen. Das gilt für die islamistischen Volksbewegungen genauso wie für Linke wie Ibrahim Alloush, die in ihrer Verzweiflung der zionistischen Aggression mit reaktionären und falschen Argumenten begegnen wollen. Mag sein, dass für einen guten Teil der gewendeten deutschsprachigen Linken der Holocaust noch immer Dreh- und Angelpunkt jeglicher Politik ist. Diese Linke hat es auch betrieben, dass das Phänomen des Nationalsozialismus von Kapitalismus und Imperialismus abgekoppelt und mythologisiert wird. Sie hat es zulassen, dass der späte geheuchelte Antifaschismus der Bourgeoisie, die die Verantwortung für den Faschismus trägt, akzeptiert und so zur Herrschaftsideologie erhoben werden konnte. Somit ist es nichts als proimperialistischer Eurozentrismus, die arabische Befreiungsbewegung unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten. Man muss falsche Positionen kritisieren und auch verurteilen, aber das kann kein Vorwand dafür sein, die notwendige Solidarität zu verweigern. […]

In ihrer einzig möglichen universalistischen Interpretation bedeuten sie dass jeder Antifaschist heute auf der Seite der Araber gegen Israel und die USA stehen muss. Jede andere Deutung ist eine Beleidigung der Opfer des und vor allem der Kämpfer gegen den Faschismus.

In diesem Sinn verteidigen wir alle antiimperialistischen Kräfte, einschließlich Ibrahim Alloushs […]“ (AIK 2003)

Der antiimperialistische Kampf gegen die USA und Israel5 gelten als die zentrale Säule dieser Konzeption, auch oder gerade im Bunde mit Holocaust-Leugnern; mit Antifaschismus hat dies eindeutig nichts zu tun.

Diese Linke zeigt somit, dass das einigende braun-grüne Band, in diesem Fall eigentlich noch durch die Farbe rot ergänzt werden müsste.

Wenn Adorno in der „Negativen Dialektik“ formuliert: „Hitler hat den Menschen im Stande ihrer Unfreiheit einen neuen kategorischen Imperativ aufgezwungen: ihr Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe.“ (Adorno, 358), dann wollen die Leugner des Holocausts und diejenigen die diese goutieren oder sich auch „nur“ im Appeasment gegen diese üben, hinter diesen kategorischen Imperativ zurück, indem sie seine Grundvoraussetzung, die Ursache seiner Existenz negieren und damit den Judenmord – mit der Aus- und Absicht ihn (erneut) durchzuführen – wieder denkbar machen (wollen).

comité liberté, im Juni 2008.

Adorno, Theodor W. 2003: „Negative Dialektik“, Suhrkamp, Frankfurt.

AIK 2003: http://www.antiimperialista.org/index.php?option=com_content&task=view&id
=452&Itemid=0

comité liberté (zus. m. Zusammenschluß antideutscher KommunistInnen Heidelberg) 2006: „Unheimliche Allianzen“ (http://comiteliberte.blogsport.de/2006/06/24/redebeitrag-160606-frankfurt)

Hegel, G. W. F. 1986: „Grundlinien der Philosophie des Rechts“ (Werke 7), Suhrkamp. Frankfurt.

Hessenschau 2006:

http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?rubrik=3058&
key=standard_document_22647266

Hessenschau 2007:

http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/index.jsp?rubrik=15662&
key=standard_document_30016158

Küntzel, Matthias 2006: http://www.matthiaskuentzel.de/contents/warum-leugnet-der-iran-den-holocaust

Scheit, Gerhard 2004: „Suicide attack – Zur Kritik der politischen Gewalt“, ca ira, Freiburg im Brsg..

Scheit, Gerhard 2008: „Der neue Vernichtungswahn und seine internationalen Voraussetzungen. Wodurch sich Ahmadinejads Islamische Republik von Hitlerdeutschland unterscheidet.“ in: Grigat, Stephan/ Hartmann, Simone Dinah: „Der Iran – Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer“, StudienVerlag, Innsbruck, (S. 58 – 78) .

  1. Etwas merkwürdig wird es dann auch, wenn das Antirassismus-Referat des Asta der JLU Gießen zur antifaschistischen „Begleitung“ des Prozesses gegen Marcel Wöll, aufgrund dessen Äußerungen, aufruft und diesen Aufruf mit den Worten schließt: „Wir fordern euch dazu auf dem Prozess in möglichst hoher Zahl beizuwohnen um zu verdeutlichen, dass wir keinen Rassismus in unserer Gesellschaft dulden, dieser mit allen Mitteln bekämpft werden muss und eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema notwendig ist.“ [Hervorhebungen von uns – c.l.]. [zurück]
  2. Gerhard Scheit schreibt diesbzgl.: Der Iran und seine Repräsentanten lassen „den Holocaust als Märchen der Juden erscheinen, um ihn in der Wirklichkeit zu wiederholen.“ (Scheit 2008, 16). [zurück]
  3. In diesem Punkt trifft sich Ahmadinejad dann auch mit der obskuren jüdischen Gruppe Natorei Karta, die ebenfalls auf der Leugnerkonferenz anwesend war und dort sprachen, jedoch nicht den Holocaust leugnen, aber die Zerstörung Israels begrüßen (vgl. Küntzel 2006). [zurück]
  4. Denn wer den Holocaust zum Märchen erklärt, erklärt damit, dass die Juden und Jüdinnen, die Medien, die Geschichtsschreibung u.ä. kontrollieren, nur des Geldes wegen (vgl. Küntzel 2006). [zurück]
  5. D.h. gegen jenen Staat der sowohl den deutschen NS als auch den italienischen Faschismus maßgeblich mittels Waffengewalt (mit-) niedergerungen hat und der heute auch noch gegen antisemitische Vernichtungsphantasien wie bspw. der Iran sie hegt, eintritt; und gegen den Staat der Juden und Jüdinnen weltweit Schutz vor antisemitischer Verfolgung bietet, damit das, was in Deutschland durch die Deutschen geschehen ist, sich nie wiederholen mag. [zurück]
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Dem iranischen Programm der Vernichtung entgegentreten – auf allen Ebenen, mit allen Mitteln!

Eine pdf-version des folgenden Textes gibt es hier

Dem iranischen Programm der Vernichtung entgegentreten
– auf allen Ebenen, mit allen Mitteln!

Die Mullahs bereiten eine nukleare Waffe vor und ihr Hauptziel sind die Juden.“ (de Winter 2008, 12).

Die linken Apologeten des iranischen Nuklearprogramms werden nicht müde stets damit zu argumentieren, dass auch der Iran – wenn man anderen Staaten Atomwaffen zubillige– ein Recht darauf hätte – vor allem da ja auch die USA und vermutlich auch Israel Atomwaffen besitzen; ebenso wird beständig auf den so genannten „Kalten Krieg“ verwiesen, in dem es ja auch zu keinem Einsatz – trotz der gegebenen Möglichkeit – von Atomwaffen gekommen ist und sich eine Art „Gleichgewicht des Schreckens“ eingestellt hätte. Ausgeblendet wird dabei jedoch geflissentlich, dass es sich selbst bei der UdSSR um ein zum größten Teil rational handelndes Regime gehandelt hat, für das der eigene Selbsterhalt und der Selbsterhalt des Landes eine durchaus gewichtige Rolle spielte. Solche Umstände gelten für den Iran nicht, vielmehr ist der Iran als der Selbstmordattentäter unter den Staaten zu verstehen; der ideelle Gesamt – suicide bomber, der sich anschickt, als kollektiver suicide bomber zur Tat zu schreiten. Bereits 1980 erklärte Khomeini in einer Rede in Qom: „Wir beten nicht den Iran an, wir beten Allah an … ich sage, soll dieses Land (der Iran) brennen. Ich sage, soll dieses Land in Rauch aufgehen, vorausgesetzt, der Islam erweist sich als siegreich.“ ( zit. n. Morris 2007). Dieses Zitat zeigt exemplarisch den, der islamischen Revolution des Irans inhärenten, Todeskult und die Bereitschaft bei Verfolgung der Ziele den eigenen Tod und den Verlust der Heimat hinzunehmen, sofern diese dem politischen Islam dienen; gerade auch was die Zerstörung Israels anginge und die daraus resultierenden (mögliche) Folgen für den Iran. Ist doch dem politischen Islam (neben dem Nationalsozialismus) der Freudsche Todestrieb immanent – was sich letztendlich im suicide attack und der islamistischen Parole: „Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod.“ artikuliert.
Und so kann man sich sicher sein, das iranische Regime wird „nicht ohne Gewalt verschwinden. Der Schah und seine Bourgeoisie hatten andere Prinzipien: Sie hingen an ihrem Leben. Die Mullahs dagegen verherrlichen Krieg und Tod.“ (Amirsedghi 2008, 29).
Die Gefährlichkeit dieses „Unstaat“1 (Neumann) liegt maßgeblich in der Kombination von apokalyptischem Märtyrertum, Antisemitismus und der Technologie der Massenvernichtung begründet (vgl. Grigat 2008, 20).
Anhand dessen, dass das iranische Regime nicht ohne Gewalt2 verschwinden wird und dass das Atomprogramm nicht ohne selbige gestoppt werden kann, wird einmal mehr die antifaschistische Bedeutung des War on Terror – und sein ihm inne liegendes Potential von Emanzipation und Bewahrung von Aufklärung, (bürgerlicher) Freiheit und zivilisatorischen Mindeststandards, unter denen eine Emanzipation des Menschengeschlechts überhaupt noch denkbar bleiben kann – klar: „Der War on Terror, den die USA seit 9/11 und die Israelis seit einigen Jahrzehnten führen, ist ein Krieg gegen den islamischen Faschismus. Er muss dann kritisiert werden, wenn er nicht als solcher geführt und benannt wird. Ansonsten verdient er die Unterstützung eines jeden, dem eine über sich selbst aufgeklärte Aufklärung und die Orientierung auf die allgemeine Emanzipation nicht schon völlig egal sind.“ (Grigat 2008, 36).
Es ist nicht zu erwarten das sich in absehbarer Zeit eine Masse der Iranischen Bevölkerung gegen das Atomprogramm des Regims stellen wird, da außer der Vernichtungsabsicht gegenüber Israel, die Iraner in eine großen Mehrheit das Atomprogramm für ein nationales Prestige Projekt halten. Ähnlich wie bereits vor dem Irak Krieg 2003 fordern Friedensbewegte, die durchaus eine Gefahr im Iranischen Atombombenprogramm sehen, das der Widerstand aus der „Arbeiterbewegung“ des Irans kommen sollte. Diese zwar existente Bewegung scheint aber in den letzten Jahren ähnlich wie die Studentenbewegung zu schwach, um den Mullahs in den Arm zu fallen. Ein Regime Change von Innen heraus ist jetzt und auch nicht in Zukunft herbeizuführen. Die iranische Regierung lässt Unruhestifter inhaftieren und exemplarisch Hinrichten. Wenn man gefahr läuft für das verteilen eines Flugblattes aufgehängt zu werden, ist es nahezu unvorstellbar, dass sich eine Opposition in einer solchen Starke formieren kann welche nötig wäre um das Quasi- faschistische Regime zu stürzen. An dieser Stelle wird auch einmal mehr der Unterschied zu einem bürgerlichen Rechtsstaat deutlich, in dem der Kommunismus immerhin denkbar ist. Aufgrund dieser Tatsache wird verdeutlicht, warum die westliche (kapitalistische) Zivilisation den islamischen Regimes mit ihren vorbürgerlichen Zuständen vorzuziehen ist. Dies beeinhaltet keinesfalls ein Appeasment mit kapitaler Vergesellschaftung, sondern ausschliesslich die Verteidigung zivilisatorischer Mindeststandards, um den Weg in eine Welt freier Individuen nicht gänzlich verbauen zu lassen. Eine von außen ermöglichte Einschränkung der Mittel in Form von Wirtschaftssanktionen wurde nicht mit der notwendigen Konsequenz unterstützt und so ist nun diese Möglichkeit, die Einfuhr zur Bombe benötigter Materialien zu erschweren oder sogar ganz zu stoppen nicht genutzt worden. Die Bombe und die damit verbundenen Konsequenzen sind eingereist und die Antwort auf alle großen Probleme scheint gefunden.
Nicht, dass das so genannte „Nahost-Problem“ der einzige Antrieb der Mullahs und ihrer Vollstrecker für die Vernichtung Israels wäre, doch auch jenes würde nur „durch die Vernichtung und Zerstörung Israels gelöst“ werden; so erklärte Ali Khamenei, Nachfolger von Ayatollah Khomeini, im Jahre 1999 (zit. n. Grigat 2008, 17). Nachdem Khamenei im Jahre 1997 Scheich Yassin, dem damaligen Anführer der palästinensischen Hamas, zusicherte, dass der Iran das „Krebsgeschwür“ (zit. n. Grigat 2008, 17) Israel „nicht einmal für eine Stunde anerkennen“ (ebd.) werde.
Werden die Juden – im Denken der Antisemiten – als das „Krebsgeschwür“ innerhalb des (organischen) Volkskörpers gesehen, dass es auszumerzen gelte, gilt Israel als der „Jude unter den Staaten“ (Doron Rabinovici), und somit als „Krebsgeschwür“ in der arabischen Staatenwelt. Der Antisemit imaginiert sich die Juden als „Gegen-Volk“ und als solches sollen sie vernichtet werden; mittlerweile ist es jedoch so, „dass dieses Gegen-Volk eine andere politische Form angenommen hat und nun als der Jude unter den Staaten verfolgt wird – als Gegen-Staat. Der Vernichtungswahn stellt sich dementsprechend um. Wurden die Juden im Dritten Reich von Angesicht zu Angesicht verfolgt, werden sie nun als Staat namhaft gemacht und mit Vernichtung bedroht. Im islamischen Land dürfen sie leben, solange sie mit diesem „zionistischen Gebilde“ keine Verbindung haben.“ (Scheit 2008, 70).
Bereits heute feuert der Iran – indirekt – seine Raketen auf Israel; so sind die Mörderbanden des politischen Islams wie Hisbollah und Hamas finanziert und unterstützt vom Iran (vgl. Scheit 2008, 66).
Mit einem nuklear bewaffneten Iran wäre es Israel kaum noch möglich sich adäquat gegen die Angriffe dieser Mörderbanden zur Wehr zu setzen; ebenso würde sich wohl in einem solchen Fall, kein arabisches Regime dazu bringen lassen einen Friedensschluss mit Israel in Erwägung zu ziehen. So würde auch ohne den Einsatz der atomaren Bombe, der Besitz jener durch den Iran ausreichen, um die Einwohnerzahl Israels deutlich zu dezimieren; 27 Prozent der in Israel lebenden Israelis überlegen bereits heute, Israel zu verlassen, im Falle dessen, dass der Iran in den Besitz einer atomaren Bombe gelangt (vgl. Grigat 2007).

Kennt der Hass auf Israel und die USA in Deutschland keine Grenze zwischen rechts und links, ist dementsprechend auch oder gerade was den Iran angeht keine solche erkennbar; so erklären führende Vordenker aus den Reihen der NPD wie Jürgen W. Gansel ihre Solidarität mit dem Iran, dessen freibestimmte Nutzung der Atomenergie und dem Kampf gegen den „Staatsterrorismus“ Israels und den „Neokolonialismus“ der USA. Sein Volksgenosse Sascha Roßmüller erklärt iranischen Journalisten, dass er – nach der Erringung der Macht der NPD in Deutschland – Ahmadinejad Deutschland als Bündnispartner zur Verfügung stellen werde. Währenddessen betont Oskar Lafontaine die Überschneidungen zwischen linken und islamischen Vorstellungen und stellt die Frage danach, wenn man Israel ja das Recht auf Atomwaffen einräumen würde, warum man es dem Iran nicht ebenfalls einräume; andere linke Freunde des Irans rufen gleich zur Verteidigung des Irans im Falle eines Krieges auf (vgl. Grigat 2008, 25f.) und die Linken der „Liga der sozialistischen Revolution“ fordern für den Iran das Recht ein „nukleare Anlagen zu errichten und zu nutzen – zu friedlichen wie auch militärischen Zwecken“ (zit. n. Grigat 2008, 26). Gerade auch die neue Galionsfigur der Linken – Hugo Chavez – übt sich im innigen Schulterschluß mit Ahmadinejad, dem Iran und dessen antiimperialistischer Mission gegen die USA und Israel. Auch die anderen neu-alten Helden der lateinamerikanischen Linken von Morales bis Castro stehen in ihren Solidaritätsbekundungen mit dem Iran und seinem Präsidenten in nichts nach (vgl. Grigat 2008, 27). So sind es die USA, die derzeit – neben Israel – deutliche Worte finden, was den Iran und seine Bestrebungen der atomaren Bewaffnung angeht und Israel auch entsprechend unterstützen (werden) – Europa hingegen übt sich im Großen und Ganzen im Appeasement mit dem Iran, gerne auch „kritischer Dialog“ genannt.

Wenn heute Ahmadinejad und seine Mitstreiter regelmäßig und in aller Öffentlichkeit verlauten lassen, Israel von der Landkarte tilgen zu wollen o.ä., dann muss man dieses Ansinnen ernst nehmen. Denn man sollte aus den blutigen Erfahrungen der Geschichte, der durchgeführten Vernichtung der Juden und Jüdinnen durch die Deutschen (die eben nur durch das militärische Eingreifen der Alliierten gestoppt werden konnte und nicht durch Appeasement), begriffen haben, dass Antisemiten es mit ihren Vorhaben, so wahnwitzig diese auch erscheinen mögen, durchaus ernst meinen; auch oder gerade dann, wenn die Judenmörder (damit) ihren eigenen Untergang mit einkalkulieren.

„Der zweite Holocaust wird vollkommen anders sein. Eines schönen Morgens in fünf oder zehn Jahren – vielleicht während einer Krise in der Region, vielleicht aus heiterem Himmel –, einen Tag oder ein Jahr oder fünf Jahre, nachdem der Iran sich die Bombe beschafft hat, werden die Mullahs sich in Qom zu einer Geheimsitzung treffen, unter einem Porträt des stählern dreinblickenden Ayatollah Khomeini. Die nötigen Befehle werden erteilt werden, und die Shibab-III- oder IV-Raketen werden abheben in Richtung Tel Aviv, Beer Scheva, Haifa und Jerusalem.
Bei einem Land von der Größe und Gestalt Israels werden vermutlich vier oder fünf Treffer genügen: Kein Israel mehr. Eine Million Israelis in Tel Aviv, Haifa, Jerusalem und dem Umfeld dieser Städte wird auf der Stelle tot sein. Zusätzliche Millionen werden radioaktiv verstrahlt werden. Israel hat ungefähr sieben Millionen Einwohner. Kein Iraner wird auch nur einen davon sehen oder berühren. Es wird völlig unpersönlich sein.“ (Morris 2008, 288).

comité liberté, im Juni 2008

Amirsedghi, Nasrin 2008: Interview „Wenn sie die Bombe kriegen, werden sie Israel zerstören.“ in konkret 6/Juni 2008 (S.28f.).

de Winter, Leon 2008: „Für Boykott und Regime Change! Ein Vorwort“ in: Grigat, Stephan/ Hartmann, Simone Dinah: „Der Iran – Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer“, StudienVerlag, Innsbruck (S. 12).

Grigat, Stephan 2007: „Die iranische Bedrohung“ (http://www.cafecritique.priv.at/pdf/iranischeBedrohung.pdf )

Grigat, Stephan 2008: „Die iranische Bedrohung. Über die Freunde der Mullah-Diktatur und den Existenzkampf des jüdischen Staates.“ in: Grigat, Stephan/ Hartmann, Simone Dinah: „Der Iran – Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer“, StudienVerlag, Innsbruck (S. 16 – 36).

Morris, Benny 2007: „Der zweite Holocaust“ (http://www.welt.de/print-welt/article706570/Der_zweite_Holocaust.html)

Morris, Benny 2008: „Der zweite Holocaust“ in: Grigat, Stephan/ Hartmann, Simone Dinah: „Der Iran – Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer“, StudienVerlag, Innsbruck (S. 288 – 289).

Scheit, Gerhard 2008: „Der neue Vernichtungswahn und seine internationalen Voraussetzungen. Wodurch sich Ahmadinejads Islamische Republik von Hitlerdeutschland unterscheidet.“ in: Grigat, Stephan/ Hartmann, Simone Dinah: „Der Iran – Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer“, StudienVerlag, Innsbruck, (S. 58 – 78) .

  1. Franz Neumann bezeichnete in seiner Untersuchung „Behemoth. Struktur und Praxis des Nationalsozialismus 1933- 1944“ den NS-Staat als „Unstaat“, da in diesem keine formal oder funktionell einheitliche souveräne politische Gewalt existiert, sondern in mehrere politische Gewalten in Form von Rackets und Banden zerfalle. Ähnliches konstatiert Gerhard Scheit in seinem Artikel „Der neue Vernichtungswahn und seine internationalen Voraussetzungen“ (Scheit 2008) für den Iran. [zurück]
  2. Da die Möglichkeit zur effektiven Sanktionierung des Irans, eine Sanktionierung, die den Bau der Bombe aufgrund fehlender technischer Kapazitäten verunmöglicht hätte, nicht genutzt wurde. [zurück]
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Wie die deutsche Mutter die Welt erretten soll

Anläßlich einer Veranstaltung mit Eva Herman in der Kongreßhalle Gießen, wurde das folgende Flugblatt verteilt; eine pdf-version davon gibt es hier .

Wie die deutsche Mutter die Welt erretten soll – Eva Hermans Heilsversprechen

Mit Eva gegen Akne
Es hätte vollkommen ausgereicht, wenn die Autorin und berufstätige Mutter Eva Herman es dabei belassen hätte, ihre „provokanten Thesen“ zum Thema Emanzipation und die Rolle der deutschen Frau in der Gesellschaft in ihrem im Mai 2006 erschienenen Artikel „Die Emanzipation- ein Irrtum?“ zu formulieren. Sie selbst sagt jedoch, dass die zahlreichen Reaktionen auf diese im Magazin „Cicero“ erschienene Streitschrift für eine Rückbesinnung auf die „Weiblichkeit“ es rechtfertigen, diesen „Tabubruch“ aus zu weiten.
Es folgten zwei Bücher, „Das Eva Prinzip“ und „Das Prinzip Arche Noah“. Wie aus den Titeln bereits erkennbar wird, formuliert Herman hier gemeinsam mit ihrer Co-Autorin ein Prinzip, also ein geschlossenes System, man könnte auch sagen Weltbild.
Die Sichtweisen im Eva Prinzip sind simpel und schnell erklärt: es gibt Himmel und Erde, den Menschen und seinen Auftrag auf Erden. „Natürlich“ gibt es Mann und Frau, die nicht gleich sind, es auch nie sein werden. Dann gibt es da noch Ideologie und ihr gegenüberstehend die Wissenschaft und Biologie, Bindungsforschung und Psychologie. Sie sieht einen Zusammenhang zwischen der „Vermännlichung“ von Frauen, die zur Veränderung des weiblichen Hormonspiegels und somit zu Akne bei erwachsenen Frauen führt. Herman beschreibt die Kälte der verrohten, orientierungslosen Gesellschaft und setzt dagegen den sicheren und harmonischen Ort der Familie, wo sich einander liebende Menschen in ihre zugedachten Rollen fügen und eine vermeintlich bessere Welt erahnen lassen. Dies alles wird bedroht durch das Schreckensgespenst „Feminismus“ und einer seit Jahren betriebene Familienpolitik, die durch ein sozialistisches Menschenbild geprägt ist. Die ausgedacht anmutenden Begebenheiten aus ihrem Bekanntenkreis sichern ihre Prinzipien ab und scheinen ihrem Geschreibsel einen Hauch von Empirie zu verleihen, eine Vorgehensweise, die sie übrigens bei der herbei phantasierten Gemeinschaft der Feministinnen kritisiert. Im „Prinzip Arche Noah“ werden die Thesen noch einmal aufgegriffen und diesmal zwecks Rettung der Gesellschaft gestiftet. „ein Überlebensprinzip für eine Gemeinschaft der starken Bindung und des tiefen Vertrauens“.
Im Grunde wurden ihre schriftlichen Äußerungen vom Feuilleton in die Ecke gestellt, wo man sich fragt, warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können und schließlich achselzuckend feststellt, dass die einen vom Mars und die anderen von der Venus stammen.
Hier liegt der Tenor „Männer und Frauen sind grundverschieden und das ist gut so“ in der Luft und die Dinge haben ihre Ordnung. Ob diese göttlich oder natürlich ist, bleibt dabei Glaubenssache.

Die wunderbare Welt der Werte
„Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder
wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauffolgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68ern wurde damals praktisch alles das, was wir an Werten hatten- es war ´ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, -aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder,
das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt- das wurde abgeschafft.“ flötet sie eines Abends nach einer Buchpräsentation im medialen Focus.
Dieses, in der Presse teilweise verkürzt wiedergegebene Zitat brachte Frau Herman große Aufmerksamkeit ein. Nicht etwa, weil es verwundert, dass in ihrem Geschichtsverständnis
auf den Nationalsozialismus die 68er Bewegung folgte oder das „deutsche Volk“ angeblich ein verführtes, also vom Führer getäuschtes war. Auch nicht das gebetsmühlenartige Wiederholen von angeblich offensichtlich universellen Werten brachte Kritiker auf den Plan, sondern der Verdacht, Frau Herman hätte sich positiv auf die Familienpolitik der Nationalsozialisten bezogen.
Herman ließ nichts unversucht, sich gegen diesen Angriff zu wehren. Verweise auf ihre Mitarbeit an einem Projekt, welches sich „gegen rechts“ engagiert sowie auf die Abhandlungen des Nationalsozialismus im „Eva Prinzip“ und ein Auftritt in einer Fernsehsendung, (die für sie sehr ungünstig verlief, da sie sich in gewohnter Weise in Wiedersprüchen und Emotionen verhedderte), konnten das entstandene Bild nicht mehr rückgängig machen. Dies bringt eben jene Radikalen dazu, sich mit Frau Herman zu solidarisieren, was wiederum in der Öffentlichkeit so gewertet wird, dass die blonde, blauäugige Eva den Nachnamen Braun tragen könnte.
Aber sie taugt auch vielen zur Identifikationsfigur, denn sie ist ein Opfer und zwar in mehrerer Hinsicht: die Medien veranstalten eine schadenfrohe Hetzjagd um Auflagen und Einschaltquoten hoch zu treiben, was die naive Frau, die doch nur ihre Meinung sagen wollte, an den Rand der Belastbarkeit treibt. Sie ist ein Kind der Nachkriegsgeneration und hatte unter den Wirrungen der Studentenrevolte zu leiden. Kind und Karriere muss sie unter einen Hut bringen und hat zu dem noch drei gescheitere Ehen verarbeiten müssen.
Außerdem, nein vor alle dem, ist sie eine Mutter und somit geeignetes Sprachrohr für so viele, deren Stimme ungehört bleibt. Dann kommt noch die Sache mit dem demographischen Wandel dazu. Frau Herman spricht doch auch als Deutsche, die Angst hat, dass „wir Deutschen“ aussterben. Wo kämen „wir“ denn hin, wenn man das Problem einer Überalterung der Gesellschaft durch Zuwanderung abschwächen wollen würde? Vielleicht also, denken viele, sollte Frau es mit den Prinzipien der Eva mal versuchen. Möglicherweise ist sie eine geeignete Prophetin, welche die Zeichen der Zeit erkannt hat und fern von denen da oben die Notbremse ziehen wird.
Spätestens jetzt wird klar, dass die Thesen der Frau Herman nicht leichtsinnig in eine Ecke gestellt werden sollten. Was sie als Tabubruch ausgibt ist zwar bei genauer Betrachtung keiner und ihre Behauptungen lassen sich allesamt mit wenig Aufwand entkräften, zurück bleibt jedoch die ungute Gewissheit, dass die in Buchform gegossene Weltsicht der Eva Herrmann nicht erst seit gestern verbreitet ist und es in naher Zukunft noch sein wird.

Die leise Melodie der Natur oder die Geigen Gottes ?
„Wir Frauen sind, wie gesagt, anders als die Männer. Wir wurden vom Schöpfer mit unterschiedlichen Aufträgen in die Welt geschickt. Das weibliche Auge erkennt schneller, wo Hilfe nötig ist, wo jemand unsere Unterstützung braucht“ heißt es im Eva Prinzip auf Seite 49.
Ab Seite 60 versucht Herman, die am Anfang des Buches betont, sie sei keine Wissen- schaftlerin, zu belegen, dass sich in der Natur des Menschen Beweise dafür finden lassen, dass es gar keine andere Rollenverteilung als die traditionelle geben könne. Sie tut dies, indem sie von der „Wissenschaft“ und der „Biologie“ spricht, verschweigt dabei, dass es unterschiedliche Wissenschaftszweige und Hypothesen innerhalb der Disziplinen gibt, dass Wissenschaftler ebenfalls eine ideologische Brille tragen und macht an kaum einer Stelle Angaben darüber, auf welche Quellen sie sich bezieht und aus welchem Kontext diese stammen. Soziale und gesellschaftliche Faktoren, die das Verhalten des Menschen beeinflussen, spielen hier keine Rolle.
Der unkritische Leser muss sich mit einer Flut von Informationen konfrontiert sehen, die er nicht überprüfen oder hinterfragen kann und wird in die Falle tappen, welche geschickt aufgestellt wurde. Denn es scheint alles zu den Thesen von Herman zu passen, was erforscht und gemessen wurde: weibliche und männliche Hirnstrukturen sind verschieden, daraus ergeben sich unterschiedliche Fähigkeiten und Verhaltensmuster:“ Der Mann steht in der Schöpfung als der aktive, kraftvolle, starke und beschützende Part, die Frau dagegen als der empfindsamere, mitfühlendere, reinere und mütterliche Teil. In den zurückliegenden Jahrtausenden richtete die Menschheit ihre Lebensform nach dieser Aufteilung aus, die Rollen waren klar definiert.“ Es besteht scheinbar ein Zusammenhang zwischen dem Hormonhaushalt und geschlechtsspezifischem Verhalten beim Menschen (wofür , wie so oft, Beispiele aus der Tierwelt herhalten sollen). „Biologen wissen heute recht genau, wie sich der Hormonhaushalt von Frauen verschiebt, die männliche Verhaltensweisen übernehmen.“ und „das männliche Konkurrenzverhalten muss man deshalb auch als Ausdruck eines entsprechenden Hormonspiegels begreifen.“ Die zusammengetragenen vermeintlichen Fakten mag Herman als bahnbrechende Erkenntnisse verkaufen, neu sind sie nicht. Die Vermischung von himmlischer Schöpfung und Irdischem wirkt zwar etwas kurios und der kritische Leser fragt sich, ob die Autorin sich nicht zwischen Kreationismus und biologischem Determinismus entscheiden kann, die Argumentationsmuster sind jedoch so oder so bereits bekannt.
Bereits im Jahr1984 erschien das Buch „Not in our genes. Biologie, ideology and human nature“ der Autoren Lewontin (Zoologe), Rose(Neurobiologe) und Kamin (Psychologe). Das sechste Kapitel ist der Frage nach biologischen Geschlechtunterschieden und gesellschaftlicher Geschlechtertrennung und deren Begründung durch biologisch-deterministisches Denken gewidmet. Hier heißt es beispielsweise: „Die Beweisführung des biologischen Determinismus folgt einem inzwischen bekannten Muster. Am Anfang wird die „Evidenz“ angeführt, die „Tatsachen“ hinsichtlich der Unterschiede zwischen Männern und Frauen,… diese „Tatsachen“ werden nicht weiter in Frage gestellt und auf schon vorher bestehende psychische Tendenzen zurückgeführt, diese wiederum auf zugrunde liegende biologische Geschlechterunterschiede auf der Ebene von Hirnstrukturen oder Hormonen. Darüber hinaus verweist der biologische Determinismus auf Parallelen zwischen menschlichen Geschlechterunterschieden und solchen bei nicht-menschlichen Gemeinschaften- wie Primaten, Nagetieren, Vögeln und sogar Mistkäfern. Damit verleit er den Geschlechterunterschieden eine scheinbare Universalität, die alleine durch den Wunsch, es möge anders oder gerechter zugehen, nicht in Frage zu stellen ist. Biologische Gesetze brauchen nicht in Frage gestellt zu werden“. Genau aus dieser Trickkiste scheint das Eva Prinzip bedient worden zu sein.
Im Verlauf des Kapitels beschreiben die Autoren den „scheinbar wissenschaftlichen Anspruch, die gegenwärtige Geschlechterteilung in der Gesellschaft erklären zu können und zeigen auf, „ dass es sich dabei um eine systematische Auswahl und Fehldarstellung sowie eine unzulässige Verallgemeinerung handelt, voller Vorurteile und in dürftige Theorien verpackt. Weit davon entfernt, die Geschlechterteilung zu erklären, dienen diese ideologisch der Perpetuierung der Geschlechterunterschiede. Genauso wie die biologische Erklärung von Rassen und Klassenunterschieden im IQ zielt die biologische Erklärung gegenwärtiger Geschlechterrollen letztendlich auf die Rechtfertigung und Erhaltung des Status quo“… „ Alle Belege sprechen dafür, dass menschliche Kleinkinder -ausgestattet mit formbaren und anpassungsfähigen Gehirnen und einer großen Lernfähigkeit- soziale Erwartungen hinsichtlich ihrer eigenen Geschlechtsidentität sowie diesem Geschlecht angemessenen Aktivitäten entwickeln, und zwar unabhängig von ihrem genetischen Geschlecht und auch weitgehend unabhängig von ihrem Hormonspiegel (der selbst wieder durch soziale Einflüsse substanziell beeinflußt werden kann). Psychokulturelle Erwartungen formen die Geschlechtsrollenentwicklung auf eine tiefgreifende Art und Weise und lassen sich nicht auf die Chemie des Körpers reduzieren.“
Gelesen hat Eva Herman darüber wohl noch nichts, denn sie beklagt in einem ihrer Ratgeber „Das Glück vom Stillen“, dass man dem mütterlichen Instinkt erst einmal wieder aktivieren müsse: „Die Melodie der Natur, die aufgrund einer Jahrmillionen alten Erfahrung eigentlich wie von selbst anklingen müsste, wenn der neugeborene Säugling in unseren Armen liegt, wird immer leiser. … Bei den anderen Säugern, den Tieren, auch den Fischen und Vögeln, gibt es keinen industriellen Fortschritt, der das Denken beeinflusst und „Wissen“ schafft. …sie reagieren und agieren eigenständig aus einem Instinkt heraus. Und alles hat seine Ordnung.“

Mutter, Milch und Honigschlecken
In jenem Zustand der entwickelten Weiblichkeit den Herman profilieren möchte, lässt das „Bauchgefühl“ der Frau dann auch endlich jenen Wunsch wieder zu, der in der Sphäre der, von Konkurrenz und Berufschancen dominierten, öffentlichen Welt verdrängt wurde. Jede Frau möchte eigentlich Mutter sein. „ Sie (Stillberaterin) erzählte mir, dass viele Frauen, genau wie ich, verunsichert seien und die Einrichtung „Mutterinstinkt“ heutzutage meist nicht mehr wie selbstverständlich funktioniere.“ schreibt Herman in „Das Glück vom Stillen“. Hier wird deutlich, was im Alltagsbewusstsein vieler Menschen verankert ist und an was Evas Prinzip nur noch anknüpfen muss: mütterliche Fürsorge wird durch Instinkte gesteuert. Instinkt ist etwas Natürliches und kann gar nicht falsch sein. Frauen bekommen schon immer Kinder, also sind sie schon immer und überall Mütter.
Das stimmt so jedoch nicht. Barbara Vinken (Professorin für Romanistik) analysiert in Ihrem Buch „Die deutsche Mutter, Der lange Schatten eines Mythos“ genau diese Ideologie: „Die deutsche Mutter, so meine These, ist ein altehrwürdiges Produkt des Protestantismus. Ihre Wiege ist die Reformation. Sie trat in dem Moment in die Welt, indem die Religion begann, sich von einer heiligen, mit dem Jenseits beschäftigten Sache auf ethische , innerweltliche Angelegenheiten zu verlegen und zur bloßen Moralunterweisung zu werden. Von diesem Zeitpunkt an profilierte sie sich gegen die weltlich herrenlose weibliche Liebe, wie sie in der Nonne, der Aristokratin und später der Arbeiterin verkörpert ist…. Die Schicht, die sie (die Mutter) zum Triumph führte, war das Bürgertum.“ Vinken sieht es als erwiesen, dass Mutterschaft auch heute noch zu einem Leitmotiv gemacht wird, weil sie sich mit der Vorstellung einer vollkommenen Partnerschaft verbinden lässt, „in der der wilden Welt des Wettbewerb die Idylle der Kleinfamilie entgegengestellt wird.“ Der Rückzugsraum der Mutter-Kind-Beziehung bildet so ein „Reservat der Menschlichkeit. Pädagogik und Psychologie liefern als vorläufig letzte Ausformung des Protestantismus die Legitimation für diesen Rückzug.“… „Für Luther wie später für Rousseau und Pestalozzi fing die Reformation mit einer Reformation der Familie an, die sich auf frühere, bessere zustände berief.
Martin Luther sorgte dafür, dass die Ehefrau und Mutter als die gottgefälligste Existenzform der Frau, die sich keusch dem Manne unterordnet, gesehen wurde. Die Reformation legte die Natürlichkeit von Geschlechterrollen fest und befestigte gleichzeitig ihre gottgewollte Hierarchie. Von nun an konnte die Frau dem Mann nicht mehr überlegen sein, was für einige Frauengestalten im Mittelalter durchaus noch galt. Politik wurde im achtzehnten Jahrhundert zu Geschlechterpolitik und die Institution Mutter geriet zum Dreh- und Angelpunkt für Reformbewegungen und Gesellschaftsverträge. Für Rousseau hing am Stillen die Begründung dafür, dass die Gesellschaft nicht nach Ständen sondern nach Geschlechtern getrennt sein müsse, denn die Mutter müsse sich dem Rhythmus des Kindes unterwerfen und könne so nicht in der Gesellschaft verkehren. Pestalozzi dagegen wollte den Adel -und dessen pervertierte Vorstellung von Weiblichkeit- reformieren und gab den ans Haus gefesselten Müttern eine Aufgabe, indem er sie zu Erzieherinnen machte. Sie alle, Luther, Rousseau und Pestalozzi galt eine Welt, in der nicht die Kindererziehung im Mittelpunkt steht, als pervertierte. Luise von Preußen, eine Führsprecherin Pestalozzis, diente als Vorbild für einen neuen Staatsvertrag, indem sie vorlebte, dass Geschlechterhierarchie über Ständehierarchie gehe, indem sie, die Königin von Preußen, sich auf das Haus beschränkt, sich ihrem Ehemann unterordnet und vorbildlich ihre Kinder liebt. Auch die Frauenbewegung in Deutschland zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts betonte die Unterschiede der Geschlechter und prägte eine Mütterpolitik. Das an sie geknüpfte Heilsversprechen wurde in der Gesundheit und Funktionstüchtigkeit des Volkskörpers verankert. Die Beziehung zwischen Mutter und Kind wurde zur wahren Liebesbeziehung und lief der Ehe, die als illegitime, patriarchale Vorherrschaft gewertet wurde, den Rang ab. Kinderlose Frauen sollten einen Beruf erlernen, der es zuließ, dass sie ihre Mütterlichkeit verwirklichen können. Die Mutter galt vielen nun
Erstmals als selbstbestimmtes Subjekt, da Kinderkriegen nicht reines biologisches Geschehen, sondern ein Werk, ihre Schöpfung sei. Im Nationalsozialismus kämpften die Mütter schließlich für den Erhalt der reinen Rasse. Die Zucht des Volkskörpers fiel in eins mit der Familie, welche zur Brutstätte dessen und institutionell praktisch bedeutungslos wurde. Die im Opfertod für das Dritte Reich gefallenen Söhne sollten in die Muttererde eingehen, um dort ewig weiterzuleben. Natur und religiöse Vorstellungen fallen in der nationalsozialistischen Mutter zusammen, denn sie schenkt der Rasse ewiges Leben, indem sie ein Kind gebiert.
Trotz dieser nationalsozialistischen Mutterreligion sollte auch im Nachkriegsdeutschland der Mütterlichkeit ihr Recht geschaffen werden. Die von mütterlichen Werten bestimmte Familie stand nun wieder gegen die Gesellschaft und existiert bis heute fort. Auch der Studentenbewegung1 und den Feministinnen ist es nicht gelungen, diese gesellschaftlich zementierten Strukturen zu zerbrechen. Die bundesdeutsche Familienpolitik zeichnet sich dadurch aus, dass sie nie konsequent auf Kinderbetreuung sondern stets auf Teilzeitarbeit und partnerschaftliche Umverteilung innerhalb der Familie setzte und ging damit einen deutschen Sonderweg. Vinken schreibt dazu: „Statt sich für Ganztagskrippen und Ganztagsschulen einzusetzen, streitet man sich hierzulande nicht erst seit den sechziger Jahren, sondern seit dem sechzehnten Jahrhundert so ergebnislos wie unverdrossen, wer die Kinder wickeln soll.“
Die Zauberformel, die in diesem Zusammenhang das außerhäusliche Verkehren der Mutter verhindern soll -und auch von Herman immer während in die Debatte eingebracht wird-, ist die Bindung des kleinen Kindes an die Mutter. Hier wird versucht nachzuweisen, was längst wiederlegt ist, nämlich das ein Kind nur in der führsorglichen Obhut seiner Mutter gedeihen kann, weil es sonst geschädigt und beziehungsgestört den Rest seines Lebens daran zu leiden hat, dass es in fremde Hände gegeben wurde. Daraus erklärt sich, weshalb Deutschland in Sachen Kinderbetreuung im internationalen Vergleich als Entwicklungsland gelten muss. Herman behauptet dagegen, es sei „politisch korrekt geworden, dass Kinder unter drei Jahren in Einrichtungen betreut werden.“ Jedoch in keinem anderen europäischen Land ist das Misstrauen und die Ablehnung von Krippen und Ganztagesplätzen so stark wie in der BRD, obwohl es keine empirischen Belege dafür gibt, dass die Kinder, die außerhalb des deutschen Kinderparadies aufwachsen, bindungsgestört und unglücklich sind.
Nicht nur der Kinderarzt und Autor Remo Largo weiß mittlerweile, dass die Mutter diese vielfach beschworene Schlüsselrolle für das kindliche Bindungsverhalten nicht automatisch innehat. Ein Kind baut zu derjenigen Person eine Bindung auf, die sich kontinuierlich und seinen Bedürfnissen angemessen um es kümmert. Dies kann durch die Mutter, den Vater aber auch andere Personen geschehen. Darüber hinaus entscheiden die ersten Jahre der Bindungserfahrungen nicht in jenem, von Herman angeführten Maße über den weiteren Lebensverlauf. Sie sind ohne jeden Zweifel wichtig für das wachsende Individuum, werden aber durch spätere soziale Erfahrungen bereichert und können sogar gezielt aufgearbeitet werden.
Schwieriger aufzuarbeiten sind dagegen die narzisstischen Kränkungen, die einige Mütter erfahren, wenn sie gewahr werden, dass ihr Kind vertrauensvolle Beziehungen zu einer anderen Person aufbaut und somit die Mutter-Kind-Symbiose aufkündigt.

Der Kampf der Geschlechter
„Die Notwendigkeit der berufstätigen Frau in Frage zu stellen ist eines der letzten Tabus unserer aufgeklärten, debattierfreudigen Gesellschaft.“ tönt es im Eva Prinzip und „Die Selbstverwirklichung ist oft nur ein Deckmantel für egoistische Alleingänge oder wirtschaftliche Zwänge, bei denen erst die Familie auf der Strecke bleibt und dann die Frau selber.“ und „Schließlich erkannte ich, dass wir Frauen umso weniger Kompromisse eingehen können, je stärker wir uns dem Prinzip der Selbstverwirklichung zuwenden.“
Frauen, welche bewusst auf Familie verzichten oder karrierebewusst sind, treten in Hermans Welt nur als traurige Gestalten auf, die mit zusammengebissenen Zähnen stets um ihren Vorteil kämpfen und im Restaurant schon mal zu „Dragonern“ mutieren. Die angestrebte Selbstverwirklichung durch Arbeit wird hier zu einer Abhängigkeit von Selbst- und Fremdbestätigung, der freilich nur die Frauen unterliegen.
Das dahinter stehende Bild ist eindeutig: Frauen, die sich auf die Spielregeln der männlichen Berufs- und Konkurrenzwelt einlassen, sind entweder gar nicht mehr auf die weiblichen Tugenden bedacht oder sie müssen scheitern. Hermans Fazit ist simpel: Frauenarbeit ist Familien- und Heimarbeit.
Diese Einstellung ist, wie bereits skizziert, keine neue. Der Arbeitsmarkt ist trotz zahlreicher Unmutsbekundungen und Reformen immer noch größtenteils nach Geschlechtern separiert
Woher Frau Herman da den Eindruck gewinnt, die Familienpolitiker der BRD hätte ein sozialistisches Menschenbild, bleibt schleierhaft. Im Gegensatz zu den Frauen in der BRD konnten die Frauen in der DDR nach der geburt eines Kindes schnell wieder in Ihren Job einsteigen und auf ein gut Ausgebautes Betreuungssystem zurückgreifen. Die Kritik an den angeblich verheerenden Zuständen, die dort geherrscht haben sollen, formulierten vor Herman schon andere( siehe Hans Joachim Maaz „Gefühlsstau“). Nach einer eingehenderen Bestandaufnahme wird jedoch schnell deutlich, dass dieses Buch „in überfüllender Anpassung bundesdeutsche Ideologie in Reinform darbietet“ (Vinken).
Frauen in der BRD werden, auch für die selbe Tätigkeit, schlechter bezahlt als Männer und bekommen keine gleichwertigen Verträge, sind häufiger arbeitslos und haben kaum Aussichten darauf, Karriere zu machen, obwohl sie heute fast genauso qualifiziert sind wie ihre Kollegen. Nach wie vor hängen sozialer Status und gesellschaftliche Eingriffsmöglichkeiten jedoch an der beruflichen Karriere Der ungebrochene Wunsch nach Teilzeitarbeit ist bei Frauen mit Kindern stark ausgeprägt, weil sie annehmen, sie müssen sich sonst zwischen Kind und Beruf entscheiden, aber kaum eine dieser Teilzeitstellen bieten Aufstiegschancen. Es ist nach wie vor eine absolute Ausnahme, dass Männer ihren Anspruch auf Erziehungsurlaub ausschöpfen. Außerdem wird die Wirtschaftgemeinschaft Ehe durch zahlreiche Vergünstigungen und Bestimmungen in Deutschland gefördert und hält die Ehefrauen in vielen Fällen dadurch in finanzieller Abhängigkeit. (vgl. dazu B.Vinken)
Das Dilemma, in dem Frauen aufgrund all dessen immer noch stecken, wird von Eva Herman mit dem Wunsch beantwortet, das Rad der Geschichte zurück zu drehen. Sie sieht auch keine Ungerechtigkeit darin, dass Mensche männlichen Geschlechts ihre Arbeitskraft verkaufen müssen. Fatal ist es für sie nur dann, wenn Frauen, also potentielle Mütter sich versklaven lassen. Stattdessen befürwortet sie das, was zahlreiche Mütter in Deutschland sowieso schon tun: sie organisieren ihr eigenes Leben um das ihrer Kinder herum, verfallen in Bastelfieber und Gestaltungswahn in der Kita oder Grundschule des Sprösslings, überfrachten sich selbst und das Kind mit Ängsten vor der fremden Welt und festigen in den Augen der nächsten Generation ein typisches Bild von Männlichkeit und Weiblichkeit. Das alles tun sie im Namen der Berufung, wenn sie schon keinen Beruf ausüben sollen.
Die von Herman beklagte Feminisierung der Erziehung und daraus resultierende Unterdrückung von männlichen Verhaltensweisen bei Jungen, weil im Elementarbereich überwiegend Frauen arbeiten, beantwortet sie selbstredend nicht mit der Forderung nach mehr männlichem Fachpersonal. Das würde sich mit ihrer Vorstellung von männlichen Fähigkeiten ja auch nicht formulieren lassen.

Weib, schweig still!
Eva Herman beharrt stur auf ihrer dichotomen Sicht von gut und böse, richtig und falsch, Werten und Traditionen und vertritt ein Weltbild, das nahe legt, sich in Konventionen und Klischees einzurichten. Es sei ihr selbst überlassen, sich für den Rest ihres Lebens in ihr Idyll zurück zu ziehen; möge sie doch nur endlich aufhören, den Büchermarkt mit ihrer reaktionären Selbstdarstellung zu versorgen und statt dessen ein Tagebuch führen oder Stillberaterin werden und sich ansonsten tugendhaft in weiblicher Zurückhaltung üben.
Die Kritik an den Verhältnissen kann sie getrost anderen überlassen, deren Ziel nicht die Befreiung der Frau von der schrecklichen Welt ist, sondern dass diese Welt keine schreckliche mehr ist. Und das ist weder mit Gott, noch mit der Familie und schon gar nicht den Deutschen zu schaffen, sondern nur mit Menschen, die sich als Individuen gegenüber stehen und für ihre Interessen kämpfen.
Eva Herman und ihre Claqueure unterschiedlicher couleur, bringen die Idee der Familie in Anschlag gegen die „Zumutungen“ von Zivilisation und Kapitalismus. Das Konzept von Blut das sich in der Familie ausdrückt, d.h. das Denken in Kategorien von Stamm und Clan, soll die bürgerlich-abstrakten Verkehrsformen, die der Kapitalismus mit sich brachte, außer Kraft setzen bzw. gegen diese in Opposition gebracht werden.
Die Familie – in sich nichts weiter als ein repressives Zwangskollektiv, dass auf dem Gedanken des Blutes beruht – wird verstanden als antikapitalistischer Moment; eine Vorstellung in der sich romantische Antikapitalismusphantasien sei es von linker, rechter, christlicher oder islamischer Seite wieder finden.
Wenn Eva Herman dann den Individualismus geißelt, dessen Ausprägung in Deutschland eh nur sehr gering ist, wird deutlich wohin die Stoßrichtung Eva Hermans und ihrer (heimlichen) Verehrer geht oder besser gesagt gegen was sie letztendlich geht und zwangsläufig gehen muss. Denn in der Ablehnung und im Hass auf den Individualismus spiegelt sich der Hass auf den Liberalismus wieder, dessen Idee die der (freien) Entfaltung des Individuums und der Sicherung dessen ist. Diese Ablehnung des Liberalismus beinhaltet auch stets die Ablehnung der Aufklärung, die den Menschen aufgezeigt hat, dass ihre Unmündigkeit selbst verschuldet ist und dass ein Heraustreten aus dieser und damit auch aus (Zwangs-)Kollektiven wie Volk und Familie möglich ist.
In dem von Eva Herman und ihren Fans hochgehaltenen Bild der Familie bricht sich letztendlich der Wunsch nach (Zeiten von) Horde und Stamm seine Bahn.

  1. Wurde doch auch gerade in den Verfallsprodukten der Studentenbewegung wieder bzw. immer noch die Familie in Anschlag gegen den Kapitalismus und seine Verkehrsformen gebracht, was sich in Landkommunen und ähnlichem zeigte. [zurück]
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Auschwitz ist überall?

30. Juni 2007

Anläßlich der Filmvorführung des Filmes „Earthlings“, die in den Räumlichkeiten der Cafeteria der FH Giessen stattfand und von der „Tierrechtsgruppe Giessen“ organisiert war, entstand folgendes Flugblatt; eine pdf-Version des Flugblattes gibt es hier

AUSCHWITZ IST ÜBERALL?…ÜBER DIE REGRESSIVEN TENDENZEN DES FILMS „EARTHLINGS“ UND SEINER ENTHALTSAMEN BEWUNDERER
1000mal schon kritisiert scheint doch der sogenannte „KZ- Vergleich“ mancher Tierrechtler liebstes Steckenpferd zu sein. „Earthlings“ ist nicht das Erste und bei weitem nicht das einzige Material, das gebraucht wird, um für eine tierliebere, bessere Welt zu werben, das sich einer Holocaustrelativierung als stilistischem Element bedient. Immer wieder scheint es den Initiatoren von Kampagnen angemessen zu sein, die Verbrechen, die von Deutschen und ihren Helfern an Jüdinnen und Juden begangen wurden, mit der Aufzucht und Schlachtung von Tieren gleichzusetzen.

Das Tier wie du und ich – Ein Nazi wie du und ich?
Die Gleichsetzung, die der Film „Earthlings“ und andere Kampagnen der Tierrechtsbewegung nutzen, um die Zustände in den Schlachthöfen dieser Welt noch dramatischer erscheinen zu lassen, ist eine Beleidigung und Verhöhnung der Opfer von deutschen Vernichtungslagern. In einem Bild die Grauen des Konzentrationslagers Auschwitz. Ein paar Sequenzen weiter, aus der gleichen Perspektive aufgenommen, eine Rinderzucht.
In nur einer Sekunde wird Auschwitz seines politischen Hintergrunds beraubt und steht mit einem Mal in einer langen Reihe von vielen „Greueltaten“. Die Tatsache, dass der Holocaust gegenüber den täglichen Schlachtungen und den stetig betriebenen Legebatterien an Bedeutung verliert, ist gewollt und ebnet so den Weg zur eingängigen Gleichung der Macher solcher Kampagnen.
Das Tier durchlebt die selben Schrecken wie die Opfer des NS und der Aufschrei der Tierfreunde bleibt aus, obwohl an Hand von Bildern, die vermeintlich Ähnliches zu zeigen scheinen, der Beweis für eine eindeutige Parallele angeführt wird. Ohne weitere Erläuterung sieht man andere Verbrechen, die sich ebenso nahtlos in die Holocaust Liste einfügen, von Frauen und Kindern, die ebenfalls mit denen an Tieren gleichauf stehen sollen. Wehrlose Opfer sollen dies versinnbildlichen, die der Willkür von Stärkeren schutzlos ausgeliefert sind.
So wird der Schlachthof, von dieser Seite betrachtet, zur Stätte unsinniger und grundloser Tötungen von Tieren und gleichzeitig auch in ein für Tierrechtler genehmes Licht gerückt.
Für die Betrachter der Bilder wird alles, was sich verwursten lässt durch den Wolf gedreht und ihnen als verklebender Brei ins Gewissen geschüttet.
Allein die Tatsache, dass Schlachthöfe als Teil des kapitalistischen Systems fungieren und den Markt mit zu Waren verarbeiteten Nutztieren speisen, Auschwitz dagegen ein Vernichtungslager war, das den ausgemachten Feind, die Juden, auslöschen sollte, fehlt.

Juden gegen Metzger – wir brauchen jüdische Kronzeugen
Wie Isaac Bashevis sind auch Tony Judt, Noam Chomsky, Uri Avnery oder Norman G. Finkelstein nicht irgendwelche Personen, die Israel kritisieren, sie sind selbst Juden und diese können wohl – der gängigen Meinung nach – schlecht Antisemiten sein oder Antisemiten zuspielen, obwohl sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Gegenteil unter Beweis stellen. Gerade deshalb werden ihre „kritischen Äußerungen“ mit Vorliebe –bis hinein in die nationalsozialistische NPD, welche schon mal gerne Avnery zitierte- verwendet, wenn es um Israel geht. Als jüdisches Alibi dienen deshalb die getätigten Aussprüche von Bashevis, der selbst als polnischer Jude die Entwicklungen und die Zuspitzung der Judenverfolgung in einem jüdischen Armenviertel miterlebte.
In „Earthlings“ kommt der Autor zu Wort, welcher in der Tierrechtsszene kein Unbekannter ist. „Wenn es um Tiere geht“, wird laut Bashevis „jeder zum Nazi. …. Für Tiere ist jeden Tag Treblinka.“. Für den Großteil des Publikums bedeuteten diese Art Aussagen wohl den endgültigen Startschuss zum allgemeinen Aufatmen. Wenn selbst ein Jude nicht Anstoß nimmt, sogar selbst diese Vergleiche als absolut angemessen empfindet, wird wohl etwas Wahres dran sein. Natürlich wäre die Anzahl derer, die für diese Zwecke geeignete Aussagen verbrochen haben deutlich länger, müsste man sich nicht schon im Vorhinein dem Vorwurf erwehren, antisemitische Inhalte zu vertreten und sich deshalb auf die vermeintlich abgesicherte Person beschränken.

Eine theoretische Betrachtung – Warum Schlachthöfe nichts mit Auschwitz gemein haben!
Die unsägliche Rede von „Tier-KZs“ und von „Holocaust auf dem Teller“ ist zum Großteil „bereits in der reduktionistischen Vorgehensweise angelegt, für den Vergleich [von Auschwitz und Tierschlachtung] ausschließlich die Phänomene des Holocaust und der Massenschlachtung von Tieren zu berücksichtigen, ihr Wesen jedoch außer Acht zu lassen.“ (Witt-Stahl). Denn wäre auch nur ansatzweise versucht worden, zu durchdringen was die Shoah -und damit Auschwitz als Sinnbild dessen – war, so wäre doch ziemlich umgehend die Unglaublichkeit dieser Gleichsetzung zu Tage getreten. So aber wurde die Vernichtung der Juden ihres Kontextes beraubt (der Antisemitismus, dessen eliminatorischer Anspruch in Auschwitz offen zu Tage trat, wird dabei ebenso geflissentlich ausgeblendet) und die Shoah wird als eine ethisch-moralische Problemstellung begriffen.

In den Juden zeigt sich für den Antisemiten die Gegenrasse, das negative Prinzip als solches innerhalb des Denkens in Kategorien von Rasse, Volk und Nation (vgl. Horkheimer 2001, 177). Aus dieser Konsequenz und mit den damit unmittelbar verbunden Zuschreibungen, die Juden und Jüdinnen gemacht werden, speist sich das Verlangen und das entsprechende Handeln des Antisemiten, denn „von ihrer [der Juden] Ausrottung soll das Glück der Welt abhängen“ (Horkheimer 2001, 177) 1. Auschwitz und die anderen Lager der Vernichtung waren Todesfabriken, deren Zweck darin bestand alle Juden und Jüdinnen, derer die Deutschen habhaft werden konnten, auszumerzen; und nicht nur ihre Körper, sondern ebenso ihre gesamte Kultur sollte total vernichtet werden; nichts mehr sollte an die Juden und ihre (ehemalige) Existenz erinnern.

Der Antisemitismus beruht auf (falscher) Projektion(en) (vgl. Horkheimer 2001, 196). Der Antisemit formt das Bild des Juden und im Bild des Juden was die Antisemiten „vor der Welt aufrichten, drücken sie ihr eigenes Wesen aus.“ (Horkheimer 2001, 177), ihre eigenen Gelüste, die sie nicht ausleben können und derer sie sich nicht gewahr werden wollen. „Den Juden mit dieser ihrer Schuld beladen, als Herrscher verhöhnt schlagen sie ans Kreuz, endlos das Opfer wiederholend, an dessen Kraft sie nicht glauben können.“ (Horkheimer 2001, 177).
Der Antisemit sieht in seinem Opfer – dem Juden – stets noch den Verfolger, „von dem er verzweifelt sich zur Notwehr treiben ließ, [denn selbst] die mächtigsten Reiche haben den schwächsten Nachbarn als unerträgliche Bedrohung empfunden, ehe sie über ihn herfielen“ (Horkheimer 2001, 196).
Die dem derzeitigen System der Vergesellschaftung – dem Kapitalismus – zugrunde liegende Struktur ist die Warenförmigkeit, die einzelne Ausdrucksform dessen die Ware (vgl. Marx 1966, 49); erst im Kapitalismus und durch sein ihm immanentes Prinzip des Tausches nimmt die Ware eine solch zentrale Stellung im Prozess der Vergesellschaftung ein. Das Wesen der Ware zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass sie einen – ihr immanenten – Doppelcharakter besitzt; die einzelne Ware besitzt sowohl einen Tausch- als auch einen Gebrauchswert. Der Gebrauchswert bestimmt sich in und durch die Nützlichkeit eines Dinges: dies bedeutet ebenso, dass der Gebrauchswert sich eben nur im Gebrauch des Dinges oder in der Konsumtion dessen verwirklicht. Der Gebrauchswert tritt in stofflicher Form auf und bildet dadurch in der warenförmigen Vergesellschaftung den stofflichen Träger des Tauschwertes (vgl. Marx 1966, 50). Dieser wiederum ist eine gesellschaftliche Bestimmung, die aus der ökonomischen Form der Warenförmigkeit und damit verbunden dem Prozess des Tausches entsteht (und erst im Akt des Tausches konstituiert er sich) (vgl. Marx 1966, 53); dadurch ist er zwar einerseits allgegenwärtig, aber andererseits abstrakt und nicht greifbar (vgl. Grigat 2002, 5). Die Zuschreibungen, die der Antisemit den Juden und Jüdinnen macht, sind deckungsgleich mit den Charakteristika des Tauschwertes. Dieser Prozess erreicht seinen grausamen Kulminationspunkt in der Shoah. Moishe Postone schreibt diesbzgl.: „Eine kapitalistische Fabrik ist ein Ort, an dem Wert produziert wird, der ’unglücklicherweise’ die Form der Produktion von Gütern annehmen muß. Das Konkrete wird als notwendiger Träger des Abstrakten produziert. Die Vernichtungslager waren demgegenüber keine entsetzliche Version einer solchen Fabrik, sondern müssen eher als ihre groteske arische ‘antikapitalistische’ Negation gesehen werden. Auschwitz war eine Fabrik zur ‘Vernichtung des Werts’, das heißt zur Vernichtung der Personifizierung des Abstrakten. Sie hatte die Organisation eines teuflischen industriellen Prozesses mit dem Ziel, das Konkrete vom Abstrakten zu ‘befreien’. Der erste Schritt dazu war die Entmenschlichung, das heißt die ‘Maske’ der Menschlichkeit wegzureißen und die Juden als das zu zeigen, was ‘sie wirklich sind’, Schatten, Ziffern, Abstraktionen. Der zweite Schritt war dann, diese Abstraktheit auszurotten, sie in Rauch zu verwandeln, jedoch auch zu versuchen, die letzten Reste des konkreten gegenständlichen ‘Gebrauchswerts’ abzuschöpfen: Kleider, Gold, Haare, Seife. Auschwitz, nicht die ‘Machtergreifung’ 1933, war die wirkliche ‘Deutsche Revolution’ – die wirkliche Schein-‘Umwälzung’ der bestehenden Gesellschaftsformation. Diese Tat sollte die Welt vor der Tyrannei des Abstrakten bewahren.“ (Postone 2005, 193).
Tiere hingegen sind in der kapitalistischen Produktionsweise, in der sie als Ware gelten, nun mal gleichzeitig Gebrauchs- und Tauschwert und wie jede Ware damit dem Prinzip des Tausches unterworfen. Die Schlachthöfe sind somit keine Fabriken zur Vernichtung des Wertes, in ihnen findet keine Vernichtung der Personifizierung des Abstrakten statt; in den Schlachthöfen findet eine (Weiter-)verarbeitung von Gebrauchwert statt, mit der Absicht, dadurch später Tauschwert zu realisieren. Wie in jeder (kapitalistischen) Fabrik o.ä. kann der Kapitalist durch die zugesetzte menschliche Arbeitskraft einen Mehrwert, den er sich aneignet, erzielen. Der Schlachthof ist in dieser Hinsicht, in seiner ihm eigenen Verfasstheit somit einer (kapitalistischen) Fabrik vergleichbar und er ist eben nicht die „groteske arische ‘antikapitalistische’ Negation“ der Fabrik, wie Postone die KZs beschreibt, deren Ziel es, war das Konkrete vom Abstrakten – durch die Vernichtung der Personifizierung dessen – zu ‘befreien’ (vgl. Postone 2005, 193).

Diese Gleichsetzung (von Auschwitz und Schlachthof) impliziert ebenfalls die „Entschuldung“ der Deutschen und deren Projekt zur Vernichtung der Juden; denn wenn tagtäglich sich Auschwitz wiederholt und v.a. in dieser Logik Auschwitz ja tagtäglich, Jahrhunderte lang in den Schlachthöfen vorweggenommen wurde, wo liegt in dieser Logik dann noch die spezifische Schuld der Deutschen? Die Shoah wird somit nivelliert, sie wird zu einem alltäglichen Verbrechen.
Denn in dieser Denkweise ist dann letztendlich alles Holocaust, sei es der „Bomben-Holocaust“, wie nationalsozialistische Deutsche die Bombardierung Dresdens durch die Royal Airforce im Rahmen ihres antifaschistischen Kampfes gegen Deutschland nennen; sei es der „Baby-Holocaust“, wie christliche Deutsche Abtreibungen benennen; sei es der „atomare Holocaust“, den friedensbewegte Deutsche in den 1980ern Jahren als Sinn und Zweck der amerikanischen (oder – eher seltener – aber wahlweise auch der sowjetischen) Aufrüstung sahen. Im Vergleich wird der Holocaust ein Holocaust unter vielen, Auschwitz ein Ort des Schreckens unter vielen anderen (Schlachthöfe, Abtreibungskliniken, Raketensilos usw.) und somit auch Deutschland eine (gleiche) Nation unter vielen anderen. Das Spezifische der deutschen Vergangenheit – und damit die spezifisch deutsche Geschichte – wird somit aus der Geschichte, aus dem Erinnern getilgt und damit wird der nationalsozialistische Massenmord eingeordnet in ein Jahrhundert des Schreckens.

„Auschwitz liegt nicht am Strand von Malibu und auch nicht auf unseren Tellern. Es war eine deutsche Todesfabrik, die von deutschen Mörderbanden auf polnischem Boden errichtet worden war.“ (Witt-Stahl)

comité liberté, im Dezember 2007.

Grigat, Stephan 2002: „Zu Struktur und Logik des Antisemitismus. Eine Einführung.“ in: Gruppe Morgenthau und AK Kritische Theorie FH Frankfurt (Hg.): „Deutsche Projektionen – Zur Kritik antisemitischer Weltbilder.“, o. O., S. 5-9.

Horkheimer, Max; Adorno, Theodor W. 2001: „Dialektik der Aufklärung – Philosophische Fragmente“, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a.M..

Marx, Karl 1966: „Das Kapital – Erster Band“, Dietz Verlag, Berlin.

Postone, Moishe 2005: „Antisemitismus und Nationalsozialismus“ in ders.: „Deutschland, die Linke und der Holocaust – Politische Interventionen“, ca ira, Freiburg im Brsg., S. 165-194.

Witt-Stahl, Susann: http://tan.pflanzenmoerder.de/texte/petakritik.html

  1. Für den Fleischkonsumenten hängt nicht das Glück der Welt davon ab, alle Tiere auszurotten, vielmehr ist das Gegenteil der Fall: für den Fleischkonsumenten wäre die Ausrottung aller Tiere das Unglück schlechthin, denn dies würde ja seinen Konsum verunmöglichen. [zurück]
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Zur Kritik an Antikapitalismus und Globalisierungskritik

Anläßlich der geplanten NPD-Demonstration am 7.7. in Frankfurt a.M. und der zu erwartenden Gegenaktivitäten, wurde das Flugblatt „Zur Kritik an Antikapitalismus und Globalisierungskritik“ geschrieben. Als pdf-Datei gibt es das Flugblatt hier

Zur Kritik an Antikapitalismus und Globalisierungskritik

„Ganz klein am Horizont kann man dinge sehen- dinge die wir nicht verstehen“

Die Linke in Deutschland scheint schier zu verzweifeln- die Nazis klauen den StreiterInnen für eine bessere Welt ihren Antikapitalismus und marschieren wie heute in Frankfurt oder anderntags von Berlin bis Scheisshausen gleich in Mannschaftsstärke auf, um gegen den „Tummelplatz der Heuschrecken“ (NPD-Aufruf) – gemeint ist hier die Frankfurter Börse- oder für die Erhaltung des „Sozialsystem(s) für deutsche“ ( ebd .) zu demonstrieren. Von den meisten Linken wird der Antikapitalismus der Nazis – etwa in Form der antikapitalistischen Kampagne von NPD und freien Kameradschaften – ganz empört als ein Adaptieren linker Inhalte wahrgenommen und statt einer kritischen Überprüfung der eigenen Agenda der Kapitalismuskritik werden den Nazis – statt sie beim Wort zu nehmen, wenn sie von einem nationalen Sozialismus schwadronieren- gänzlich andere Absichten unterstellt. Etwa ein neuerlicher Versuch, die Ängste der Menschen vor sozialem Abstieg zu schüren und diese dadurch für das barbarische Programm der Nazis zu funktionalisieren. Davon mal abgesehen, dass selbst ein Hartz4- Abhängiger aus der tiefsten Provinz- ganz gleich ob diese Schwedt, Wurzen oder Butzbach heißt- immer noch selbst entscheidet, ob er das „braune“ Programm der Nazis wählt oder sich für eine Welt freier Menschen zu begeistern vermag.
So sollte der Antikapitalismus der Nazis seit der „antikapitalistischen Revolte“ ( Moishe Postone ) eben durch diese in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts für jeden nicht gänzlich geschichtsvergessenen Menschen auch nichts Neuartiges darstellen.
Man muss ebenso zur Kenntnis nehmen, dass sozialstaatliche Standards in Deutschland keinesfalls gegen die Herrschaft erkämpft wurden: der deutsche Sozialstaat wurde durch Bismarck im Kaiserreich installiert, um SPD und Gewerkschaften den Wind aus den Segeln zu nehmen. Später im Nationalsozialismus wurde die Volksgemeinschaft realisiert und fand ihren Ausdruck in einem Wohlfahrtsstaat mit Kraft durch Freude, Vollbeschäftigung und Volkswagen für die Volksgenossen.
Die heuer in sozialdemokratischen Kreisen von SPD bis die Linke beliebte und von den Nazis ausgegebene Parole „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ verdeutlicht in wenigen Worten den Wunsch der Deutschen nach Gemeinschaft und Nestwärme unter Ihresgleichen – welche schon einmal in dem wohligen Schoß der Volksgemeinschaft erfahren wurden, der zugleich Zuflucht vor den „Zumutungen“ der Zivilisation und der Mündigkeit des Einzelnen bot . Im Nachkriegsdeutschland blieb der korporatistische Geist erhalten und transformierte sich in der postnazistischen Gesellschaft- so ist die BRD einer der Staaten mit den wenigsten Streiks weltweit , bietet jedoch dennoch ein umfassendes Wohlfahrtssystem, welches sicherlich nicht durch die angeblich so kämpferische Arbeiterklasse erstritten wurde. Der materielle Wohlstand, auf den der BRD-Sozialstaat aufgebaut wurde, verdankt diese Gesellschaft übrigens zu nicht unerheblichem Teil dem Modernisierungsschub der Nazis, d.h.: durch Arisierung, Zwangsarbeit, Krieg, der korporatistischen Formierung der Gesellschaft als Volksgemeinschaft und Vernichtung.

„was sein muss das muss schließlich sein“

Schaut man sich die zahlreichen Verlautbarungen der Antikapitalisten in den letzten Monaten an, welche vor allem zum G8- Gipfel in Heiligendamm verfasst wurden, so vermag der allergrößte Teil davon bei aufgeklärten Menschen schieres Entsetzen hervorgerufen haben; nicht jedoch bei großen Teilen der marginalisierten Linken, aus deren Reihen so manch skurrile Äußerung kam.
Das Kölner Antifa- Café etwa demonstrierte gegen die „selbsternannten Weltherrscher“ die sie, in den Personen: Merkel, Putin und Bush auszumachen glaubten. Zu dieser Analyse kommt man nur, wenn man ignoriert, dass die Subjekte sich, wie die berühmt- berüchtigten „dümmsten Kälber“ welche ihre „Metzger“ selber wählen, verhalten. Diese „Weltherrscher“ sind nichts anderes als durch die Massen, welche man zu gerne von jeglicher Kritik ausnimmt, demokratisch legitimierte Charaktermasken ihres jeweiligen Nationalstaates. Dieser fungiert zunächst einmal als „ideeller Gesamtkapitalist“ (Karl Marx), der die gesellschaftlichen –warenförmige – Verhältnisse garantiert; diese stehen einerseits den Individuen als Fremdes gegenüber, subsumieren sie aber zugleich restlos.
Wenn sich bei der Attac- Sommerakademie 2006 um die „kulturelle Identität indigener Gemeinschaften“ gesorgt wird, so stößt dies bei linken, multikulturell begeisterten Antirassist/innen auf ebenso offene Ohren wie bei den sogenannten „Ethno-Pluralisten“ der NPD, welche nicht müde werden zu betonen, wie wichtig doch die „kulturelle Eigenheit“ der „Völker“ sei. Beiden auf den ersten Blick doch so unversöhnlich verschiedenen Gruppen ist eines gemeinsam: das Individuum zählt ihnen nichts, die Gemeinschaft alles. Die egoistischen Interessen der Subjekte, welche möglicherweise außerhalb kultureller, religiöser und damit zum Beispiel allzu oft einhergehender sexueller normen liegen, werden dem Kollektiv geopfert, welchem es sich unterzuordnen gilt.
Wer eine solche Denkweise an den Tag legt kommt eher früher als später bei der Volksgemeinschaft an, niemals jedoch wird er oder sie auf diesem Wege den „Verein freier Menschen“ (Karl Marx) auch nur denkbar machen.

„wir sind gewillt zu übersehen- was wir jetzt noch nicht verstehen“

Was darüber hinaus linke wie rechte Antikapitalisten eint, ist eine Personalisierung kapitalistischer Vergesellschaftung – welche auch als „verkürzte Kapitalismuskritik“ bezeichnet wird. Wert, Geld und Handel sind abstrakte, heimatlose Formen welche in dieser falschen Analyse der Verhältnisse bestimmten Personen wie etwa „Bankiers“, „Yuppies“ oder „Bonzen“ zugeschrieben werden. Solch eine Analyse ist strukturell antisemitisch, denn als strukturellen Antisemitismus beschreibt man solche Erklärungsversuche, welche sich antisemitischer Klischees bedienen ohne die Juden konkret zu benennen. Wer eine solche Personalisierung betreibt ist nur noch einen Schritt entfernt vom Juden als Konkretisierung des Antisemitismus, wobei eine konkrete Benennung der Juden nicht mehr nötig ist, weil sie aufgrund der seit dem Mittelalter tradierten und in der europäischen Kultur stark verankerten Ressentiments vom Juden als „heimatloser Krämer“, „Wucherer“ und „Ausbeuter“ so offensichtlich auf der Hand liegen, dass sie nicht mehr ausgesprochen werden müssen. Selbst die Nazis kommen in ihrem Aufruf zur heutigen Demonstration drum herum, die Juden direkt zu benennen obwohl ihr Aufruf zutiefst antisemitisch ist. Wenn sie von der „internationalen Hochfinanz“ sprechen weiß ohnehin Jede/r wer damit gemeint ist…
Es findet eine dichotomische Trennung von „gutem, schaffenden Kapital“, welches die Sphäre der Produktion darstellen soll und mit den „ehrlichen“ Arbeitern identifiziert wird auf der einen Seite und diametral gegenüberstehend das „böse, raffende Kapital“ dass der Sphäre der Zirkulation der kapitalistischen Vergesellschaftung angeheftet wird und in den Kapitalisten ausgemacht wird, statt. Dies ist nur als ein weiterer Versuch zu werten, den Massen bzw. dem „Volk“ jegliche schlimmen Absichten abzusprechen, schließlich vermutet man dort revolutionäres Potential und vermeidet es deshalb tunlichst, diesen Leuten auf die Füße zu treten. Doch auch wie die Arbeiter in den Verhältnissen gefangen und den daraus strukturellen Zwängen unterworfen sind, sind dies auch die Kapitalisten. Somit stellen auch diese nichts weiter dar, als beliebig ersetzbare „Charaktermasken“, wie von Marx bereits im Vorwort seines Werks „Das Kapital“ festgestellt. Ganz praktisch artikuliert sich der oben beschriebene Antikapitalismus in Dutzenden abgefackelten Mittel- bis Oberklasseautos im Vorfeld des G8- Gipfels durch militante Linksradikale getreu dem Motto, die „Reichen“ für ihren Luxus zu hassen statt diesen für alle einzufordern – mit einer Gesellschaftskritik im emanzipatorischen Sinne hat dies alles reichlich wenig zu tun.

„Es ist alles so einfach“

Der Kommunismus stellt eine emanzipatorische Aufhebung des Kapitalismus dar, der Antisemit will eine negative Aufhebung dessen, auf der Grundlage seiner selbst und damit einen Rückfall hinter die zivilisatorischen Eigenschaften und Errungenschaften, die der Kapitalismus mit der bürgerlichen Ordnung brachte. Somit gilt es festzuhalten am bürgerlichen Versprechen von Luxus und Individualität mit der Absicht – wie Adorno sie bereits postulierte – an einer „Welt, in der man ohne Angst verschieden sein kann“. Das diese Versprechen auf Grundlage einer warenförmigen Vergesellschaftung nicht einzulösen sind sollte nicht dazu verleiten, platten Analysen Vorschub zu leisten. Diesem, im zweiten Absatz beschriebenen antikapitalistischen Treiben ist mit den notwendigen Mitteln Einhalt zu bieten, denn dort wo es die Oberhand gewinnt, ist an Gesellschaftskritik nicht mehr zu denken, dort hat die Barbarei bereits erste Gestalt angenommen.

comité liberté, im Juni 2007.

Alle Überschriften sind dem Lied « hi freaks » von tocotronic entnommen.

Tipps zum Weiterlesen:

Moishe Postone „Antisemitismus und Nationalsozialismus“ in ders.: „Deutschland, die Linke und der Holocaust – Politische Interventionen“, ca ira, Freiburg im Brsg..

Andrea Woeldike „Kapitalismus und deutscher Wahn“ in: Arbeitskreis Kritik des deutschen Antisemitismus (Hg.): „Antisemitismus – die deutsche Normalität“, ca ira, Freiburg im Brsg..

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Auf zu neuen Uffern!

5. Juni 2007

Anläßlich der Demonstration “ HÖR MIR UFF MIT DEUTSCHLAND!“ (der Aufruf zu dieser Demonstration ist hier nachzulesen) entstand der folgende Text des comité liberté (eine pdf-version davon gibt es hier).

AUF ZU NEUEN UFFERN!

Wenn im Aufruf zur heutigen Demonstration von Freiräumen
gesprochen wird, so klingt dies wie ein Versprechen,
welches in den gegebenen Verhältnissen nicht einzulösen
ist. Jede Möglichkeit zur Entwicklung von gelebten Theorien
wird anders genutzt und kann pauschal auch nicht unter einen
Begriff gezaubert werden. Die gelebten Konstruktionen
werden in den autonomen Himmel gehoben und die Realität
ausgeblendet. Die von den NutzerInnen selbst eingeforderte
Kritik an Deutschland und den herrschenden Verhältnissen
wird nicht einmal ernsthaft formuliert, wenn von Staat und
Gesellschaft gleichermaßen versucht wird, den gebotenen
angeblichen Alternativen zu all dem die Existenz zu entziehen.
Die Rückzugsmöglichkeiten in Form von Wohnprojekten
und Zentren werden geschlossen und statt entgültig die Konsequenz
aus diesen Tatsachen zu ziehen, werden die Räume,
die eigentlich zur Kritikbildung genutzt werden sollten zu
Stätten, in denen Schulterschluss mit der Gesellschaft und
ihren Bedürfnissen geübt wird. -
Dass Autonome Zentren und linke „Freiräume“ Perspektiven
von emanzipatorischer Kapitalismuskritik eröffnen könnten
steht natürlich außer Frage, jedoch ist es fernab der Realität
zu behaupten, dass diese Räume ein Entkommen aus der
kapitalistischen Verwertungslogik bedeuten. Auch in diesen
Zentren herrschen bestimmte Regeln, deren Einhaltung von
höchster Wichtigkeit für ein Zusammenleben sind. Ebenso
wie Regeln zum Miteinander überlebenswichtig sind, kann
auch keines dieser Angebote ohne warenförmige Vergesellschaftung
existieren. Auch wenn ihr Anspruch ein Anderer
ist, kommen sie zwangsläufig den Verwertungsprinzipien in
die Mühlen. Es wäre utopisch zu glauben, die Gesellschaft
würde tatsächlich ausgesperrt und hätte keine Chance diese
Veranstaltungsorte zu dominieren. Oft werden gerade aus
dem Glauben heraus etwas „Freies“ schaffen zu können,
den abgelehnten Normen andere entgegengesetzt, die blind,
schlicht das Gegenteil von dem darstellen, was in der Gesellschaft
„draußen“ als negativ identifiziert wurde. Ohne an die
Auswirkungen zu denken wird versucht etwas zum Leben zu
erwecken, das unter den geschaffenen Umständen nicht zu
dem gewünschten Ziel führt. Der pragmatische Nutzen solcher
Räume sollte also nicht darüber hinwegtäuschen, dass
der prinzipielle Anspruch in diesen nicht immer fortschrittlich,
emanzipatorisch, sondern durchaus auch reaktionär und
unreflektiert daher kommen kann.
Auf der anderen Seite führen die Schließungen und die allgemeinen
Zwänge denen diese Zentren unterliegen, seltsamerweise
zur Anbiederung der NutzerInnen an die Gesellschaft,
mit dem „jetz ma` uffgehört“ werden soll. Somit kann gar
keine Kritik an den deutschen Verhältnissen formuliert werden,
denn genau diese werden gar nicht erst als Auslöser der
Entwicklung erkannt oder formuliert.
Das Phantom der guten Gesellschaft, die von den machtgierigen
und geldgeilen Geschäftsleuten dirigiert werde, und
deren Entscheidungen über den Rechten der bürgerlichen
Gesellschaft stehen würden, muss aufrecht erhalten werden,
um einen Adressaten für die Bitten nach Erhaltung der „Freiräume“
darstellen zu können.
Die inhaltslosen Phrasen die gegen Deutschland ins Gefecht
geschickt werden, sind vielmehr ein Pochen auf das Recht
eine Nische in der Gesellschaft einnehmen zu dürfen die von
großem Wert für eben diese sein soll. Eine Art Sozialarbeit
wird angepriesen, die angeblichen AussteigerInnen aus der
Verwertungslogik einen Platz bietet, sich wieder einzubringen,
in die anscheinend zwanglose Gesellschaft im kleinen.
Allein die Existenz der Verhältnisse, aber, die jede/n Einzelne/
n immer dazu zwingen als variables Kapital zur eigenen
Verwertung zur Verfügung zu stehen, liefern schon jeden Tag
den Grund für Kritik an den herrschenden Zuständen. Den
Anlass, dafür zu kämpfen sich dieser Verhältnisse entledigen
zu können und nicht, es sich in den geschaffenen Nischen so
bequem wie möglich zu machen.
Sollen also die gesamtumfassenden Zwänge von heute abgeschafft
werden, so gilt es ihnen eine allumfassende Kritik entgegen
stellen zu können, und nicht, sich in der von Zwang
durchsetzten Gesellschaft einzurichten.
Wenn im Aufruf zur heutigen Demonstration das Einzige,
was am Kapitalismus kritisierenswert erscheint, die „unmenschlichen
Produktionsverhältnisse“ sind, legt das den
Gedanken nahe, dass die zur Verfügung stehenden „Freiräume“
eben nicht zwangsläufig dazu genutzt werden sich
tatsächlich mit fundierter Kritik zu befassen. Der Rückzug ins
autonome Traumland, fern ab von Kapitalismus und beseelt
von der Verteufelung des Reichtums ist kein Schritt zur Verbesserung
der Zustände.
Ein Fehlschluss ist es ebenfalls zu glauben, eine „Gefahrenabwehrverordnung“,
wie sie nicht nur in Gießen in Kraft ist, sei
gänzlich unerwünscht und diene nur einer kapitalversessenen
Oberschicht, die alles, was keine Kaufkraft besitzt aus der
Bahn geräumt sehen will. Die freiwilligen HilfspolizistInnen
wachsen nicht auf Bäumen und die Befürwortung in der Bevölkerung
für die Maßnahmen, welche die heimischen Bürgersteige
sauber halten sollen ist enorm. Das Wahlprogramm
hat gezeigt worauf die WählerInnen reagieren, und daraus
resultierten die Maßnahmen, die einer Gesellschaft, die Angst
vor dem Verlust der eigenen Kapitalkraft hat, den Rücken frei
halten sollen. Nicht Jeder sieht also die „Verschönerung“ der
Strassen und den Erhalt der Attraktivität „seines“ Daseins als
die größte aller Bedrohungen an.
Das Bitten um Anerkennung der wertvollen Arbeit am „Sozialprojekt“
deutsche Gesellschaft macht demnach wenig
Sinn, denn die Ablehnung ist denen gewiss, die sich von den
gängigen Bedürfnissen lossagen möchten. Auf Akzeptanz
und Unterstützung zu hoffen ist müßig und steht in keinem
Verhältnis zu dem nach Außen vertretenen Anspruch einer
Freimachung von den Zwängen, das hätte längst erkannt
sein sollen.
Trotz allem gilt es Möglichkeiten zur Schaffung eines Bildungsraumes
zu erhalten. Die Idee an sich ist es wert erhalten
und ausprobiert zu werden. Was daraus zu machen die
Menschen in der Lage sind, ist abhängig vom jeweiligen Anspruch
an ein besseres Leben.

Comité Liberté | www.antifa-giessen.de

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Deutsche Friedensfreunde machen mobil

27. Juni 2006

Deutsche Friedensfreunde machen mobil
(Redebeitrag des comité liberté anlässlich der Kundgebung am 12. August in Marburg)

Gerne hat man bereits größtenteils die Bilder und Aussagen der antiamerikanischen Massenmanifestationen des deutschen Friedenmobs, anlässlich des Irakkrieges, im Jahre 2003 vergessen bzw. verdrängt – die Bilder eines Friedensmob, der kein links, kein rechts mehr kannte bzw. kennen wollte, sondern nur noch friedfertige Deutsche – einig in ihrem Hass auf die USA und in ihrer zärtlichen Solidarität mit Saddam Hussein.
Hussein ausgestattet mit deutschem Giftgas und deutschem Know-how zur Aufrüstung seiner Scud-raketen, wodurch ihm es möglich wurde auch israelische Städte mit seinen Raketen zu erreichen. Er war zur Genüge ausgestattet um damit das deutsche Projekt der Vernichtung der Juden weiterzuführen – vielleicht daher die solidarische Zärtlichkeit? Glücklicherweise konnte er in Israel – auch wenn er es lange genug in Angst und Schrecken hielt – nicht durchführen, was Tausende auf irakischem Territorium ereilte: den massenhaften Mord durch Giftgas. Man kann sich sicher sein, dass diejenigen, die sich damals in zärtlicher Solidarität mit Saddam Hussein übten, sich nun heute in derselben zärtlichen Solidarität mit den antisemitischen Terrorbanden wie Hamas oder auch der Hisbollah üben. Ebenso wie die USA, ist auch Israel, der ewige Feind eines jeden aufrechten deutschen Friedensfreund – findet sich die deutsche Friedensbewegung doch gerade in ihrem Hass auf die USA und Israel zu sich selbst. Halten sich die öffentlichen Massenmanifestationen auf der Strasse momentan noch in gewissen Grenzen, rüstet das deutsche Feuilleton und mit ihm die deutsche Linke, Seite an Seite mit Islamisten und anderen Hisbollah-Freunden für den Friedensfeldzug. Leid- und schmerzvoll mussten einige Antifaschisten den Charakter dieser Manifestationen spüren als sie am Rande von diesen sogenannten Friedensdemos bspw. in Göttingen und Saarbrücken ihre Solidarität mit Israel bekundeten.
Als hätte der Krieg im Nahen Osten erst vor einigen Tagen begonnen – der Krieg begann in der Nacht vom 14. auf den 15.Mai 1948, wenige Stunden nach der Gründung des Staates Israels, als dieser von den Armeen fünf umliegender Staaten angegriffen wurde: den Armeen Ägyptens, Transjordaniens, Syriens, Iraks und des Libanons; offenbar deshalb weil diese Staaten einen jüdischen Staat, der Heimstatt, Zuflucht und Schutz für Juden und Jüdinnen weltweit bietet, an ihrer Seite nicht ertragen konnten und wollten. Jedoch wird der deutsche Friedensbewegte auch diese Tatsache geflissentlich umzudeuten wissen und Israel als den Schuldigen für die Aggressionen der umliegenden Staaten ausmachen – sowie seit jeher die Ursache des Antisemitismus in den Juden gesucht und gefunden wird und eben nicht beim Antisemiten.
So nimmt, um mit den Worten der Initiative Sozialistisches Forum aus Freiburg zu sprechen, die militante Aufklärung derzeit die Gestalt des israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert, sowie der Panzer und derzeit vor allem Flugzeuge der israelischen Armee an, als die historisch derzeitig einzig mögliche Form. Dies „versetzt natürlich diejenigen in basses Erstaunen und helle Empörung, die von der Aufklärung nur gerade den „Aufkläricht“ (Ernst Bloch) behalten haben, der hinreicht, sich für das desaströse „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ ob proletarisch-sozialistisch à la Lenin, bürgerlich-demokratisch à la Wilson oder völkisch-nazifaschistisch à la Hitler zu engagieren[…][Olmert] jedenfalls, der Zionist und praktische Antifaschist, ist dem aufgelösten Rätsel der Geschichte näher als die deutsche Linke, deren „Antifaschismus“ sich als Aufstand der Anständigen à la Gerhard Schröder oder als Solidarität mit dem palästinensischen Volk ausagiert.“ (ISF „Der Kommunismus und Israel“ (S.8 und 9))
Wenn Jeff Black, Bewohner eines nordisraelischen Kibbuz, berichtet: „Es gibt keinen sicheren Platz in Israel“ zeigt einmal mehr die Notwendigkeit eines „Sommerregens“, um zumindest eine der antisemitischen Terrorbanden, zu stoppen oder zumindest entscheidend in ihren Aktionen zu beschränken. Kein Staat der Welt würde es zulassen, dass seine staatliche Souveränität angegriffen wird, seine Existenz versucht wird auszulöschen, seine Staatsbürger tagtäglich Opfer des Terrors werden – und erst recht nicht ein Staat Israel dessen oberste Prämisse ist: Juden und Jüdinnen weltweit Schutz vor antisemitischem Terror und Vernichtungswünschen zu bieten. Die Zerschlagung antisemitischer Terrorbanden und das Verunmöglichen ihres Geschäftes, dem des Judenmordes, muss unsere volle Solidarität und Zustimmung zukommen – und solange die Hisbollah nicht zerschlagen ist und die Möglichkeit zur praktischen Ausführung des Judenmords unterbunden wurde, solange freuen wir uns zumindest wenn die Verbreitung antisemitischer Propaganda gestoppt wird, wie die des Hisbollah-eigenen Propagandasender Al Manar, der weltweit seinen antisemitischen Hass mittels Fernsehbilder artikuliert wie z.B. in der mehrteiligen Serie Al-Shatat, in der das Mär der jüdischen Weltverschwörung erneut gesponnen wird. So werden in dieser besagten Serie die Juden als diejenigen Schuldigen ausgemacht, die Tod und Verderben über die Menschheit gebracht hätten, die beide Weltkriege ausgelöst hätten, die die Chemiewaffen erfunden hätten und Hiroshima und Nagasaki mit Atombomben zerstört hätten (vgl. Matthias Küntzel „Von Zeesen bis Beirut“). Wenn nun dieser Sender seine antisemitische Mordbrennerei über Satellit, erst einmal nicht mehr weiter fortsetzen kann weil die Israel Defense Forces wieder einmal Antifaschismus praktisch hat werden lassen und eben mittels Waffen die Verbreitung von antisemitischer Propaganda unterbunden hat, ist dies unsrerseits nur zu begrüßen.
So kann man den Veranstaltern der heutigen Kundgebung nur vollständig recht geben wenn sie schreiben:
„Mit Antisemiten redet man in der einzigen Sprache, die sie leider nur verstehen, in der Sprache der Gewalt, und Staaten, die den Terror tolerieren, wenn nicht gar hofieren, zeigt man mittels F-16, was erwartet werden darf, wenn tote Juden gern gesehen oder herzlich egal sind“
In diesem Sinne gilt unsere Solidarität, den Soldaten und Soldatinnen der IDF, in ihrem Kampf gegen die antisemitischen Terrorbanden heißen sie Hamas, Islamischer Djihad, PFLP, Volkswiderstandskomitee oder eben Hisbollah, in ihrem Kampf um den Schutz des Staates Israels vor antisemitischen Übergriffen und der Sicherheit der Bürger des Staates Israel.
Eine befreite Gesellschaft kann und darf es nicht auf den Trümmern eines zerstörten Israels geben – deswegen ist all denen, die diesem Unterfangen Vorschub leisten entgegenzutreten, sei es in der Form von Islamisten oder sei es in der Form von deutschen Friedensfreunden oder anderen deutschen Linken.

comité liberté im August 2006


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