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Remember 9-11 – Remember Ground Zero

14. Januar 2008

Flugblatt, das anläßlich des Jahrestags der Attentate am 11. September 2001 verfasst wurde. Eine gelayoutete pdf-version gibt es hier.

Remember 9-11 – Remember Ground Zero!

Vom (Nicht-)Ende der Geschichte

Am 11. September 2001 wurde auf brutalste Art und Weise die These Fukuyamas vom Ende der Geschichte widerlegt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass dies nicht der Fall war – vielmehr brach (erneut) die „Dialektik der Gegenaufklärung“ (Bruhn) ihre Bahn: „It is not the end of history. The 21st century began with a battle of ideas, and this battle is about the values of the West versus those of Islam.” (Hirsi Ali 2007).

Die seit dem Ende des Kalten Krieg vorherrschende außenpolitische Orientierungslosigkeit der USA, die Charles Krauthammer „our holiday from history“ nannte, wich dem notwendig gewordenen „war on terror“ (vgl. Keller 2008, 176).

Von der Erklärung des Krieges

Die Anschläge des 11. Septembers waren eine Kriegserklärung, die Angreifer wollten den Krieg, somit implizierten die Anschläge damit bereits den „war on terror“ – er war nämlich die einfache und bewusste Konsequenz einer solchen politischen Tat (vgl. Dahlmann 2006, 238). Der „Solidaritätsbonus“ der Europäer, den sie in den Tagen nach dem elften September noch lauthals verkündeten, war schnell dahin, als sie merkten, dass es die USA mit ihrem „war on terror“ ernst meinten und auch gewillt waren, diesen mit Waffengewalt durchzusetzen.

Die USA waren gezwungen, sich zu dieser Kriegserklärung zu verhalten, die nicht nur eine an den Staat gerichtete war, sondern eine Kriegserklärung gegen die westliche Zivilisation und damit gegen (bürgerliche) Freiheit, Demokratie, (sexuelle) Freizügigkeit, Dekadenz, Individualität, Selbstbestimmung des Subjekts, bürgerliches Glücksversprechen, Luxus usw..

So blieb den USA nur die Wahl zur Bereitschaft diesen Krieg zu führen, wenn sie sich nicht dem Willen der Angreifer beugen würden wollen (vgl. ebd.). Für Norman Podhoretz, einer der intellektuellen Köpfe der US-amerikanischen Neocons, befinden sich die USA im Vierten Weltkrieg1, aus dem sie seiner Einschätzung nach wie aus dem Ersten sowie Zweiten Weltkrieg und aus dem Kalten Krieg siegreich hervorgehen werden (vgl. Keller 2008, 186).

Den USA blieb vor allem deswegen keine Alternative, da die Angreifer des elften Septembers sich offensichtlich in einer Art „verlagertem Bürgerkrieg“ sehen; sind doch für sie auch fast alle Staaten, die sich dem politischen Islam verpflichten sehen entweder von Zionisten besetzt oder mit Regierungen ausgestattet, die von Zionisten aus den USA oder deren Marionetten ausgehalten und damit bestimmt werden (vgl. Dahlmann 2006, 240). Ebenso gibt es – seitens der Djihadisten – kein erklärtes Kriegsziel als das der Vernichtung. Die Kreise derer, die dieser zum Opfer fallen werden beständig erweitert; nicht ein politisches Ziel steht im Zentrum ihres Handelns, sondern die möglichst massenhafte Vernichtung jener, deren Gemeinsamkeit lediglich darin zu bestehen scheint, eben zur falschen Zeit am falschen Ort anwesend (gewesen) zu sein (vgl. Antideutsche Kommunisten Berlin o.J.).

Von Projektion und Hass aufs Abstrakte

Doch dies allein macht noch nicht die Spezifität der Anschläge des 11. Septembers aus:

Bin Laden und die seinen Willen und Ideen ausführenden Kameraden brachten zu Beginn des neuen Jahrhunderts erneut das zur Geltung, was bestimmender Aspekt des gerade vergangen Zwanzigsten war: den eliminatorischen Antisemitismus.2

Wie auch ihre in puncto Antisemitismus historischen Vorläufer und Vorbilder – die deutschen Nationalsozialisten – artikuliert sich in dem Antisemitismus der Djihadisten der Hass auf das Abstrakte.

Das von ihnen und ihren brothers in crime nicht durchdrungene Kapitalverhältnis wird nur unter Aspekt des Abstrakten wahrgenommen, und dieses wiederum nur in einer personifizierten Form: „[B]ereits ein Blick auf New York und das World-Trade-Center (WTC) als Hauptziel des Anschlages [reicht] aus, um erkennen zu können, wer oder was getroffen werden sollte: das WTC war nicht nur ein Symbol für Luxus und Konsum oder „westliche Werte“, es diente auch als Projektionsfläche für einen Antisemitismus, der sich die weltweiten Finanzströme nicht anders als in personifizierter Form erklären will, für den schon immer „die Juden“ dahinter steckten.“ (AK Antifa/ AMS 2001)

Von Personalisierung und Territorialisierung

Das ‚Jüdische’, das ‚jüdische Prinzip’ muss in einem Leib, in einem Körper gerinnen, d.h. muss konkretisiert werden – denn nur der Körper, der Leib ist für den Antisemiten angreifbar und kann gequält und letztendlich vernichtet werden3. Es ist – wie Jean-Paul Sartre einmal feststellte – der Antisemit, der bestimmt wer Jude ist4 (vgl.Sartre 1994, 44) und so bestimmt auch der Antisemit in welcher Person das ‚jüdische Prinzip’ auszumachen ist.

Ebenso wird jenes, was als das‚Jüdische’ ausgemacht wird, das was als das ‚jüdische Prinzip’ gilt, territorialisiert. So wie der Antisemit die Personifizierung des von ihm so verhassten ‚jüdischen Prinzips’ vornimmt, so bestimmt er wo und in was sich dieses manifestiert.

Einstmal war es die „city of london“, in welcher sich jenes Prinzip für den Antisemiten manifestierte, heute ist es die us-amerikanische Ostküste5 und im speziellen New York.

„Mit der Zerstörung des World Trade Center wurde dieser Kriegserklärung [an die USA – c.l.] die Botschaft gleich mit auf den Weg gegeben, wen diese Angreifer in ihrem antisemitischen Furor für alle Übel dieser Weltherrschaft verantwortlich machen: das spekulative Finanzkapital.“ (Dahlmann 2006, 237).


Von verbotenen Träumen

Die verbotenen Träume6, welche die islamistischen Jungmänner umtreiben, werden projiziert auf die westliche Welt, die ihnen als ungläubige, als die Welt der Ungläubigen gilt. Die Aggression die aus ihren eigenen Versagungen entspringt, wird auf die gelenkt, die in ihrem Wahn als das klassische Sinnbild westlicher Dekadenz gelten: die Juden (vgl. Wilting 2002, 47). Wieder einmal entsteht in ihrem Wahn eine unzertrennbare Melange aus westlicher Welt, ‚jüdischem Prinzip’, Dekadenz und ‚den Ungläubigen’, welche die Projektionsfläche für sie darstellen. „Da sie die westliche Welt, konkretisiert in den Juden, nicht verdrängen können, wie die eigenen Triebansprüche, diese vielmehr mit aller Macht auf eine Einlösung drängen, können sie sie nicht ignorieren, den Juden und den Westen. Das Begehrte zu zerstören ist dann die einzige verbleibende Annäherung ans Objekt; so werden sie nicht lassen können von Israel, von der dekadenten Welt überhaupt.“ (Wilting 2002, 47).

In jenem Zusammenhang ist auch die Zerstörung des WTC durch islamistische Jungmänner zu betrachten. Gerinnt doch für jene im WTC die Dekadenz der westlichen Welt und das ‚jüdische Prinzip’.

Vom Kult des Opferns und des Todes

Wie auch in den anderen Selbstmordattentaten, die durch den islamischen Terrorismus verübt wurden und werden, offenbarte sich im Attentat von 9-11, der diesem Terrorismus inhärente Todeskult; jener Todeskult der das suicide bombing ausmacht.

Das Subjekt, welches das suicide bombing begeht, kann das von ihm verursachte Resultat seines Handelns, die Auswirkungen dessen selbst, nicht mehr erfahren, denn es opfert sich selbst. Ein Opfer, das bereits in die Konzeption des Anschlages fest integriert und eingeplant ist; der Anschlag entfaltet sich erst aus dem Opfer(n) heraus – es ist die Essenz dessen. So ist das (Selbst-)Opfer zentraler Referenzpunkt des Anschlages. Getroffen werden sollen jene, die in den Augen der Attentäter nicht zum Opfer(n) bereit sind, die an der diesseitigen Welt und ihrem Leben hängen (vgl. Scheit 2006, 38) – dies kulminiert dann in der djihadistischen Parole: „Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod.“ (zit. n. Broder 2006, 137).

Von Jubel und Freude

Es rauchten noch die Trümmer des WTC, als für jene Linke, für die der Hauptfeind jenseits des Atlantiks steht, klar war: dies war eine antiimperialistische und antikapitalistische Tat, ein Aufschrei der unterdrückten Völker im Herzen der vermeintlichen Bestie, den es zu begießen gelte. Diese solidarische Zärtlichkeit wurde auch sogleich handfest praktiziert und so konnte man weite Teile dieser Linken, auch jene Teile, die sich sonst gerne einmal unversöhnlich gegenüberstehen, an diesem Abend beobachten wie sie einträchtig im Autonomen Zentrum oder in der linken Kneipe ums Eck, in der der Wirt bzw. das Kneipenkollektiv einen ausgab, sich einander – ob dessen, dass den USA endlich das widerfahren sei, was sie seit langem verdienen – zuprosteten. Der Antiimp schwadronierte vom Aufstand der Peripherie, der ins Zentrum getragen wurde und der Anarcho schwärmte von der Propaganda der Tat – waren sie sich sonst auch spinnefeind, an jenem Abend kannten sie nur Antiamerikaner, nur noch Feinde der Zivilisation.

„Der 11. September hat dann zum Vorschein gebracht, wie weit jetzt der Fortschritt der Gegenaufklärung gediehen ist. […] Dem militanten Projekt der Gegenaufklärung, das 1789 beginnt, in der Wannsee-Konferenz kulminiert und jetzt, nicht nur im Islamfaschismus, auf neue Konjunktur lauert, steht nur die gelangweilte Aufklärungsverachtung von links gegenüber.“ (Bruhn 2002, 219ff.)

comité liberté, Gießen im September 2008.

AK Antifa/ Assoziation Marxistischer StudentInnen Gießen (AMS) 2001: „Zum 9. November 2001“ : http://www.links-net.de/antibla/flyer091101.htm

Antideutsche Kommunisten Berlin o.J.: „Das Ende der Nachkriegszeit“: http://adk.atspace.com/pub/welt/Weltunordnung.html

Benz, Wolfgang 2004: „Was ist Antisemitismus?“, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn.

Broder, Henryk M. 2006: „Hurra, wir kapitulieren!“, wjs Verlag, Berlin.

Bruhn, Joachim 2002: „Zur Dialektik der Gegenaufklärung“ in Redaktion Jungle World (Hg.): „Elfter September Nulleins“. Verbrecher Verlag, Berlin, S. 217 – 224.

Dahlmann, Manfred 2006: „Souveränität und Gegensouverän“ in Grigat, Stephan (Hg.): „Feindaufklärung und Reeducation“, ca ira, Freiburg.

Gran, Edward 2006: „In memorian Ilan Halimi – zum Verhältnis von Antisemitismus und Antikapitalismus“ in: „light up – one line of defense“ Nr. 1 (Zum Download unter: http://comiteliberte.blogsport.de/images/lightup_final.pdf) oder: http://gran.blogsport.de/texte/

Hirsi Ali, Ayaan 2007: “The role of journalism today”: http://www.aei.org/publications/filter.all,pubID.26367/pub_detail.asp

Keller, Patrick 2008: “Neokonservatismus und amerikanische Außenpolitik”, Ferdinand Schöningh, Paderborn.

Sartre, Jean-Paul 1994: „Überlegungen zur Judenfrage“ in ders.: „Überlegungen zur Judenfrage“, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, S. 9-93.

Scheit, Gerhard 2006: „Hass auf die Juden als Bereitschaft zum Opfer – Über den Antisemitismus“ in: Initiative gegen Antisemitismus und Rassismus in Europa (Jugare), Erlangen/ Nürnberg und Gruppe zur Bekämpfung des Antisemitismus heute, Frankfurt am Main (Hg.): „In antisemitischer Gesellschaft“, o.O., S. 38-43.

Wilting, Natascha 2002: “Psychopathologie des Islam” in: Bahamas Nr. 38, Berlin, S. 41 – 47.

  1. Für Norman Podhoretz (und auch andere) gilt der Kalte Krieg als der Dritte Weltkrieg. [zurück]
  2. Deutlich wird dies auch daran, wenn ehemalige Bekannte Attas, dem Anführer der Attentäter des 11. Septembers, ihm ein „nationalsozialistisches Weltbild“ bescheinigen; wie man in der Spiegel-Ausgabe des 2. September 2002 nachlesen kann. [zurück]
  3. Wie in jüngerer Zeit der grausame Mord an Ilan Halimi durch die „Gang der Barbaren“ wieder einmal eindrücklich vor Augen führte (näheres zum Mord an Ilan Halimi, siehe Gran 2006). [zurück]
  4. So wird Göring auch der Ausspruch nachgesagt: „Wer Jude ist, bestimmte ich“ (zit n. Benz 2004, 16) [zurück]
  5. Parallel dazu wurden die jeweiligen Regierungen jener Staaten in der sich diese Orte befanden als die aktuellen (Haupt-)Träger jüdischer Interessen ausgemacht, d.h. die britische Regierung und die us-amerikanische Regierung. [zurück]
  6. Inwiefern sich diese äußern und wie sie entstehen, siehe Wilting 2002. [zurück]

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