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Dokumentation einer Pressemitteilung des BgAA bzgl. einer Veranstaltung zum Thema „Gaza“

14. Januar 2008

Wir dokumentieren im Folgenden eine Pressemitteilung/ Offenen Brief des „Bündnisses gegen Antisemitismus und Antizionismus (BgAA) Gießen“ bzgl. einer Veranstaltung zum Thema „Gaza“, zu der u.a. Prof. Udo Steinbach geladen wurde.

Am Dienstag, dem 16.06.08, soll in den Räumen der Alten Universitätsbibliothek eine
Veranstaltung zum Thema „Gaza“ stattfinden, bei der u.a.
Udo Steinbach als Redner auftreten soll. Udo Steinbach ist bekannt für seine
geschichtsrelativierenden und antisemitischen Aussagen.

Am Dienstag, dem 16.06.08, soll in den Räumen der Alten Universitätsbibliothek eine
Veranstaltung zum Thema „Gaza“ stattfinden, bei der
Udo Steinbach als Redner auftreten soll. Organisiert wird die Veranstaltung von mehreren Organisationen aus Gießen und der Umgebung. Der Internationalen Hilfsorganisation e.V., der Evangelischen Studierenden-Gemeinde (ESG), dem Ausländerbeirat der Stadt Giessen, der Medizinstudierenden der Uni Gießen, der katholischen Hochschulgemeinde Gießen, dem islamischen Studenten und Akademiker Bund (ISAB), sowie der Ausländische Studierendenvertretung.
Es sollen zwei Vorträge stattfinden, einer über die politischen Situation vor
Ort und zum anderen über die humanitäre Lage der Bevölkerung in Gaza.
Dazu werden Udo Steinbach, der von 1976 bis 2007 Leiter des in Hamburg ansässigen
Deutschen Orient Instituts (DOI) war und heute an der Universität Marburg als Dozent für Islamwissenschaften lehrt, sowie Dr. Zeliha Vural, die für die Internationale Humanitäre Hilfsorganisation e.V. (IHH) sowie die Islamistische Gemeinde Mili Görus (IGMG) in
Palästina bei humanitären Aufgaben tätig war, und zum Thema „Humanitäre Demütigung in Gaza“ referieren soll.
Die IHH – die „Internationale Humanitäre Hilfsorganisation“ – die auch eine der (mit-) veranstaltenden Organisationen ist, betreibt nicht nur eine intensive Zusammenarbeit mit der antisemitisch-islamistischen Vereinigung „Mili Görus“ (IGMG) sondern entstammt selbst diesem Umfeld; auf anderen Veranstaltungen zum Thema Gaza, die bspw. von der Mutterorganisation der IHH ausgerichtet wurden, kam es zu Szenen der Verbrüderung mit der islamfaschistischen Hamas, deren Anliegen darin besteht Israel zu vernichten. Ob ein ähnliches Szenario sich auch in Gießen wiederholen mag, bleibt abzuwarten, angesichts der geladenen Referenten kann man jedoch kaum das Gegenteil dessen erwarten.
So ist Udo Steinbach schon seit geraumer Zeit für seine anti-israelische Haltung und seine geschichtsverfälschenden Aussagen bekannt1 – wie bspw. am 6. Januar 2003 als er die
antisemitische Terrorintifada der Hamas und anderer islamistischer Gruppen mit dem
Aufstand im Warschauer Ghetto verglich: „Wenn wir sehen, wie israelische Panzer durch
palästinensische Dörfer fahren und sich die verzweifelten Menschen mit Steinen wehren,
dann müssen wir im Blick auf Warschau und im Blick auf den Aufstand der Juden im
Warschauer Ghetto auch fragen dürfen, war das dann nicht auch Terror?“ 2
Damit schweigt er nicht nur von den vernichtenden Selbstmordattentaten und dem
Raketenbeschuss Israels durch islamistische Fanatiker, sondern setzt zugleich die
Verteidigung Israels gegen seine Feinde, die es mit der totalen Vernichtung bedrohen, mit der des nationalsozialistischen Deutschlands gleich. Er betreibt
damit eine Relativierung der Shoa, die er als ein Verbrechen unter vielen nivelliert.
Im Zuge der israelischen Reaktion auf den anhaltenden Raketenbeschuss israelische
Dörfer und Städte im Januar diesen Jahres, kam Udo Steinbach als in Deutschland
anerkannter „Experte“ der Region und des Konflikt zu großer medialer Beachtung. Unter
anderem in der Tagesschau durfte er sein Bild des Konflikt wiedergeben, dass an
einseitiger Parteinahme für die islamistischen Terrorbanden in Gaza und andernorts kaum zu überbieten war. In seinem Beitrag wies er der israelischen Verteidigungspolitik die
die Alleinschuld an den Toten und Verletzen zu, den Raketenbeschuss durch die
Hamas relativierte er dabei geflissentlich („Raketenangriffe die selten wirklich treffen”)3 ;
in klassischer antisemitischer Argumentation, in seiner geopolitschen Reproduktion nun gegen den jüdischen Staat gerichtet ist, machte er die Israelis selbst für die erlittene Gewalt und den mörderischen Terror verantwortlich, der ihnen durch die antisemitische Terrorwelle widerfährt. Vielmehr droht er Israel implizit, wenn er Israel vorwirft mit seiner eigenen Sicherheit zu spielen, sollten sie sich gegen die beständigen Angriffe zur Wehr setzen.
So ist für ihn nicht der Terrorismus der dhjihadistischen Gruppen, deren
ausgewiesenes Ziel die Vernichtung Israels ist, zu verurteilen – sondern, dass Israel den
Palästinensern die Möglichkeit nehme „eine Intifada entfesseln“4 zu können.
In der Sendung „hart aber fair“5 , die den Gazakrieg zum Thema hatte, wurde Steinbach
erneut als Experte geladen und durfte dort auch seine Sichtweise auf den Konflikt
wiedergeben. Antisemitismus ist für ihn dabei ein Nebenschauplatz, die Shoah soll endlich Geschichte werden und damit aus dem Bewusstsein der Menschen verschwinden oder zumindest zurückgedrängt werden. Sein Anliegen und Interesse ist erklärtermaßen Gaza, nicht Auschwitz; da aber über Israel stets der dunkle Schatten von Auschwitz schwebt, der Staat Israel in einer Welt, in der Antisemitismus nach wie vor virulent ist, die höchstmöglichste Garantie ist, dass Auschwitz sich nicht wiederholen möge, ist es das Anliegen des Professors aus Marburg, jenen Teil der deutschen Geschichte in den Tiefen der Geschichtsbücher versinken zu lassen.
Das Problem heißt für ihn weiterhin Israel, welches ein „Land besetzt
halte“, „die Palästinenser vergewaltige und drangsaliere“6 . Nicht der offen geäußerte
Antisemitismus der Hamas und deren Krieg gegen Israel sind die Probleme, die es für
Steinbach zu lösen gelte; vielmehr leugnet er den antisemitischen Charakter der Angriffe
auf israelische Dörfer und Städte und spielt diese zu einer durch Israel erzeugten
Verzweifelungstat herab und gibt ihnen dadurch die Legitimation.
In derselben Sendung „enttarnt“ Steinbach – Walser gleich – ein Sprechverbot, dass den Deutschen auferlegt sei aufgrund der Shoah. Die „Antisemitismuskeule“ sei am Werk, wenn man den Antisemitismus für den Konflikt im Nahen Osten als (mit-)verantwortlich ansehe; als Deutscher könne er sich daher nicht frei äußern und dürfe Israel nicht kritisieren. Einmal mehr (re-)produziert er damit die antisemitischen Denkmuster, dass den
Juden und ihren Unterstützer eine Macht zuspricht, über die öffentliche Meinung zu
herrschen und damit jede Kritik abschmettern zu können7.
Zusammenfassend kann man sagen, dass der in die Gebäude der Universität geladene
Steinbach verspricht, antiisraelische und antisemitische Ressentiments zu bedienen,
indem er zum einen in unsäglicher Weise eine Nähe der israelischen Sicherheit – und Außenpolitik, zur nationalsozialistischen Vernichtungspolitik suggeriert
und gleichzeitig den antisemitisch motivierten Terror, der sich nicht nur gegen israelische
Staatsbürger richtet, sondern seiner Intention nach ganz klar gegen Juden und Jüdinnen,
relativiert, verharmlost und teilweise legitimiert. Dadurch schürt er nicht nur den Hass auf
Israel und fördert damit entgegen seine offiziellen Verlautbarungen nicht den Frieden im
Nahen Osten, sondern im Gegenteil, er verhilft dem antisemitisch motivierten islamistischen Terrorismus zu dessen intellektueller Unterstützung und Rechtfertigung.
Michael Leissler – Pressesprecher des Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus – äußert sich wie folgt dazu:
„Wir fordern eine Kündigung der Räume, da wir der Überzeugung, dass eine Veranstaltung solcher
Ressentiment geladener Tiraden, dem weit verbreiteten Antisemitismus Vorschub leisten
und nicht dazu geeignet ist Frieden in der Region des Nahen Ostens zu schaffen.
Ebenso fordern wir diejenigen Organisationen, die sich nicht mit dem antisemitischen und islamistischen Terror und seinen Apologeten gemein machen wollen, ihre Unterstützung für diese Veranstaltung, umgehend zurückzunehmen.“

Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus Gießen

  1. Vgl.1. http://www.hagalil.com/petition/04-05/brief.htm 2. Manifest der 25 → http://anomy.blogsport.de/2008/04/23/flugblatt-gegen-die-udo-steinbach-veranstaltung/ [zurück]
  2. http://www.hagalil.com/petition/04-05/brief.htm [zurück]
  3. Tagesthemen, 26.02.2009, 22:45 Uhr → http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video428352.html [zurück]
  4. Ebd. [zurück]
  5. „Hart aber fair“ 26.01.09. siehe: http://www.wdr.de/themen/global/webmedia/webtv/getwebtv.phtml?p=4&b=215 [zurück]
  6. Ebd. [zurück]
  7. Aus Walsers „Moralkeule“ Auschwitz, die er sekundär-antisemitisch herbeihalluzinierte, ist die „Antisemitismuskeule“ geworden. Kritik am Antisemitismus wird abgeblockt im Medium des Antisemitismus: Auch noch mit dem Antisemitismusvorwurf wollen die Juden den unschuldigen Deutschen weh tun. Darüber hinausgehend impliziert die „Antisemitismuskeule“ zweierlei. Zum einen die Sublimierung von Möllemann. Man distanziert sich davon, dass die Juden für den Antisemitismus verantwortlich sein sollen. Im gleichen Atemzug wird dann nachgelegt, dass es die von Juden geschwungene Antisemitismuskeule ist, die den Antisemitismus hervorruft. Zum anderen ist die „Antisemitismuskeule“ ein Einsatz im Kampf um Definitionsmacht: die Antisemiten wollen fortan selber definieren, was Antisemitismus ist. Den Juden in Deutschland soll damit ihre einzige Widerstandsmöglichkeit genommen werden: nämlich das beim Namen zu nennen, was ihnen angetan wird.
    Zwilling der „Antisemitismuskeule“ ist die Rede vom „Tabubruch“: In Deutschland stand niemals – wie behauptet wird – Kritik an Israel unter einem „Tabu“. Geächtet war einzig und allein die offene Artikulation von Antisemitismus im politischen Feld und in der veröffentlichten Meinung. In der Rede vom „Tabu“ werden die Juden ein weiteres Mal als strafende Instanz imaginiert. Diese Figur hat eine ganz bestimmte Wirkung. Nämlich die Grenzen zu erweitern, in denen offene Artikulation von Antisemitismus möglich ist. → http://www.hagalil.com/antisemitismus/deutschland/antisemitismus/nation.htm
    [zurück]

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