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Das grün-braune Band der Holocaustleugnung, das eint

14. Januar 2008

Anläßlich des in Gießen – wegen Volksverhetzung – stattfindenen Prozesses, gegen den ehemaligen hessischen Landesvorsitzenden der NPD Marcel Wöll, erschien der folgende Text. Als pdf-Version gibt es ihn hier

Das grün-braune Band der Holocaustleugnung, das eint

Deutschland befand sich im WM-Fieber, mitten bei in diesem Getümmel; die Fußball-Elf der Islamischen Republik Iran. Anlaß für Mahmud Ahmadinejad, seines Zeichens Präsident eben jener Republik sich für eine Stippvisite in dem Land, in dem der eliminatorische Kern des Antisemitismus seine volle Blüte erlangte, anzukündigen; sein Ziel: Frankfurt am Main.

Dort wurde er schon freudig erwartet von Marcel Wöll und seinen Volksgenossen der „Gruppe Nationaler Sozialisten“ und seinen Kameraden der hessischen NPD.

Die deutschen Nationalsozialisten sind begeistert von diesem iranischen Präsidenten der gleichzeitig aktuelles Aushängeschild des politischen Islams ist, der den Holocaust leugnet und Israel von der Landkarte tilgen will. Anlässlich des bevorstehenden Besuches erinnerte Wöll an die lang andauernde islamisch-deutsche Freund- und Waffenbrüderschaft wie sie sich u.a. in der Form von islamischen Freiwilligen in der Waffen-SS ausdrückte und erklärte freimütig: „Herr Ahmadinedschad hat einige Sachen ausgesprochen, die einfach mal ausgesprochen werden müssen.“ (zit. n. Hessenschau 2006). Doch die Freundschaft ist nicht einseitig; so war nicht nur der damalige Mufti von Jerusalem, ein großer Freund des Deutschen Reiches und persönlich bekannt mit etlichen führenden Nationalsozialisten; sondern auch zur Verurteilung Eichmanns in Jerusalem erklärten etliche Zeitungen im arabischen Raum ihre Begeisterung für dessen Taten und die der Deutschen; auch in den heutigen Tagen ist die Begeisterung für Hitler und die (damaligen) Deutschen ungebrochen.

Anfang 2007 schickte sich Marcel Wöll an, seinem islamistischen brother in crime Ahmadinejad nachzueifern und bezeichnete Auschwitz (und damit auch andere Stätten des deutschen Programms der Vernichtung) als „Stätte des so genannten nationalsozialistischen Terrors“, das Gedenken an die dortigen Opfer des deutschen Vernichtungswahns als „Gehirnwäsche“ (zit. n. Hessenschau 2007)1.

Ebenso bietet es sich für deutsche Nazis an, die Shoah zu leugnen, indem sie öffentliche Verlautbarungen anderer Persönlichkeiten zitieren, wie bspw. den Direktor der Abteilung für Iranische Studien, Abbas Salimi Namin (vgl. comité liberté 2006).

Wie der Prozess gegen Wöll anzeigt (und auch bspw. der Prozess in Frankreich gegen den unten erwähnten Robert Faurrison) steht die Leugnung des Holocausts in etlichen Staaten unter Strafe – d.h. es ist im Recht festgeschrieben. Das Recht jedoch ist auf einen souveränen Staat beschränkt, das Völkerrecht (und damit ein „transstaatliches Recht“) existiert als Recht nicht (vgl. Scheit 2004, 63); das Völkerrecht, das auf das Recht zwischen den Staaten zurückgeworfen ist, ist nur ein sollendes Recht, d.h. ein Recht das eingehalten werden soll, da die Staaten sich gegeneinander im Naturzustand befinden (vgl. Hegel 1986, 501f.). Daher kann der Iran für die Organisation und Ausführung bspw. einer Konferenz, welche die Leugnung des Holocaust zum Inhalt hat, nicht belangt werden.

So organisierten Ahmadinejad und das iranische Außenministerium dann auch Ende des Jahres 2006 eine Konferenz der Holocaust-Leugnung in Teheran; dies stellt insofern eine Zäsur da, da erstmals ein großes und politisch bedeutendes Land damit die Leugnung des Holocausts zur offiziellen Staatsräson erhoben hat. Matthias Küntzel arbeitet heraus, dass der Zweck jener Leugnerkonferenz ebenfalls eine Zäsur darstellte, denn wollten bisher die Holocaust-Leugner die Vergangenheit revidieren, geht es dem Iran um eine Gestaltung der Zukunft2 und wie diese Zukunft aussehen soll hat Ahmadinejad und andere Repräsentanten der Islamischen Republik Irans durch ihre Vernichtungsdrohungen gen Israel und dem Vorantreiben des iranischen Atomprogramms mehr als deutlich gemacht. So soll durch Leugnung des Holocaust die Legitimität Israels negiert werden – allerdings mit der Option, dass wenn es denn den Holocaust wirklich gegeben haben soll, ein israelischer Staat erst recht nichts auf der arabischen Halbinsel verloren habe; Ziel ist in beiden Fällen die Zerstörung Israels3 (vgl. Küntzel 2006). Ahmadinejads Schlussworte auf der Konferenz lauteten dann auch entsprechend: „Das zionistische Regime wird wegradiert und die Menschheit befreit werden.“ (zit. n. Küntzel 2006).

Versammelt hatte sich in Teheran eine bunte Schar der Holocaustleugner, von Vertretern des politischen Islams in Gestalt der iranischen Staatsoffiziellen, über deutsche Nazis, bis hin zu sich als (ehemals) links verstehenden Holocaustleugnern wie Robert Faurisson.

Bernhard Schaub, ein bekannter Holocaustleugner aus der Schweiz und ebenfalls Teilnehmer an der Iraner Leugnerkonferenz, war nach seiner Rückkehr voll der Begeisterung sowohl für den Iran als auch für dessen (staatliche) Institutionen und erklärte, dass seine Erwartungen an die Leugnerkonferenz noch über alle Maße übertroffen wurden (vgl. http://video.google.de/videoplay?docid=-2149603869539443043&q=faurisson
&ei=4i5cSJn0NJSW2QLD15yOAQ [– bezeichnend ist, dass der Titel jenes angegebenen Videos „Die frohe Botschaft von Teheran“ lautet] ).

Der iranische Außenminister, der zu Beginn der Leugnerkonferenz sprach, machte deutlich, dass die gegenwärtige Geschichtsschreibung als eine vom Westen formulierte anzusehen sei; der politische Islam, mit dem Iran an der Spitze, möchte dieser gegenüber eine neue geschichtliche „Wahrheit“ kreieren, in welcher der Holocaust nur mehr als Mythos erscheint, jede Abweichung davon gilt als Symptom der „Judenherrschaft“ (vgl. Küntzel 2006).

Die Leugnung des Holocaust ist ein auf die Spitze getriebener Antisemitismus, in dem einmal mehr die universelle Allmacht von Juden und Jüdinnen beschworen wird4; und damit ist in jeder Leugnung des Holocaust implizit die Aufforderung zur Wiederholung enthalten (vgl. Küntzel 2006).

So – wie auch die wiederholten Vernichtungsdrohungen gegenüber Israel seitens des Irans – war die Leugnerkonferenz für die EU, die UN und den meisten anderen Staaten (mit Ausnahme einiger weniger wie bspw. den USA und natürlich Israel) kein Grund das gegenüber dem Iran betriebene Appeasment zu revidieren und damit den „kritischen Dialog“ aufzugeben – im Gegenteil, so wurde die Dialogbereitschaft – von Seiten der UN – nach der Leugnerkonferenz erneut bekräftigt (vgl. Küntzel 2006).

Doch auch die Linke ist nicht vor der (Unterstützung der) Leugnung des Holocaust gefeit, so unterzeichnete der in der Linken so beliebte universitäre Antizionist Noam Chomsky – der stets in den USA und Israel diejenigen erblicken mag, die das Unglück über die Welt bringen –, 1979 eine Petition für den – oben bereits erwähnten – Holocaust-Leugner Faurisson und verteidigte ihn gegen die vorgebrachten Vorwürfe des Antisemitismus. Faurisson verstand sich (zumindest anfangs) als Linker – heute ist er Teilnehmer an der Holocaust-Konferenz in Teheran und erklärt (vorwiegend in Medien und Konferenzen des arabischen Raumes), dass der Kampf gegen Israel und die Leugnung des Holocaust, beides Teile eines gemeinsamen Projektes darstellen (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Faurisson). Diese Kombination entfaltet seine Wirkmächtigkeit derzeit im Iran, was durch dessen vermutlich baldige Erlangung atomarer Bewaffnung, die Ausmaße dessen aufs drastische verschärft.

Auch eine in der Linken beheimatete Gruppe die Antiimperialistische Koordination (AIK), die ebenfalls das Unglück der Welt in den USA und Israel verorten und deren erklärtes Ziel der Kampf gegen jene beiden Staaten ist (z.B. durch die Kampagne „10 Euro für den irakischen Widerstand“), hat bereits einen Holocaust-Leugner hofiert: Ibrahim Alloush.

Die AIK war sich in Folge nicht zu blöde, nachdem es antifaschistischen Protest gegen das Hofieren von Holocaust-Leugnern hagelte diesen auch noch in Schutz zu nehmen.

So schrieb die AIK als Antwort auf die Proteste: „Auf absehbare Zeit besteht keine Gefahr des Wiederaufstiegs des Nationalsozialismus und des mit ihm verbundenen Antisemitismus. Die Hauptgefahr für die Völker der Welt (…) besteht in der Weltherrschaft der USA und ihrer europäischen Verbündeten, die Ausbeutung, Unterdrückung und Verweigerung der Selbstbestimmung bedeutet. […]

Daher müssen wir alle Kräfte unterstützen, die real gegen den Imperialismus kämpfen, so fern sie uns in ihren Ideen auch stehen mögen. Das gilt für die islamistischen Volksbewegungen genauso wie für Linke wie Ibrahim Alloush, die in ihrer Verzweiflung der zionistischen Aggression mit reaktionären und falschen Argumenten begegnen wollen. Mag sein, dass für einen guten Teil der gewendeten deutschsprachigen Linken der Holocaust noch immer Dreh- und Angelpunkt jeglicher Politik ist. Diese Linke hat es auch betrieben, dass das Phänomen des Nationalsozialismus von Kapitalismus und Imperialismus abgekoppelt und mythologisiert wird. Sie hat es zulassen, dass der späte geheuchelte Antifaschismus der Bourgeoisie, die die Verantwortung für den Faschismus trägt, akzeptiert und so zur Herrschaftsideologie erhoben werden konnte. Somit ist es nichts als proimperialistischer Eurozentrismus, die arabische Befreiungsbewegung unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten. Man muss falsche Positionen kritisieren und auch verurteilen, aber das kann kein Vorwand dafür sein, die notwendige Solidarität zu verweigern. […]

In ihrer einzig möglichen universalistischen Interpretation bedeuten sie dass jeder Antifaschist heute auf der Seite der Araber gegen Israel und die USA stehen muss. Jede andere Deutung ist eine Beleidigung der Opfer des und vor allem der Kämpfer gegen den Faschismus.

In diesem Sinn verteidigen wir alle antiimperialistischen Kräfte, einschließlich Ibrahim Alloushs […]“ (AIK 2003)

Der antiimperialistische Kampf gegen die USA und Israel5 gelten als die zentrale Säule dieser Konzeption, auch oder gerade im Bunde mit Holocaust-Leugnern; mit Antifaschismus hat dies eindeutig nichts zu tun.

Diese Linke zeigt somit, dass das einigende braun-grüne Band, in diesem Fall eigentlich noch durch die Farbe rot ergänzt werden müsste.

Wenn Adorno in der „Negativen Dialektik“ formuliert: „Hitler hat den Menschen im Stande ihrer Unfreiheit einen neuen kategorischen Imperativ aufgezwungen: ihr Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe.“ (Adorno, 358), dann wollen die Leugner des Holocausts und diejenigen die diese goutieren oder sich auch „nur“ im Appeasment gegen diese üben, hinter diesen kategorischen Imperativ zurück, indem sie seine Grundvoraussetzung, die Ursache seiner Existenz negieren und damit den Judenmord – mit der Aus- und Absicht ihn (erneut) durchzuführen – wieder denkbar machen (wollen).

comité liberté, im Juni 2008.

Adorno, Theodor W. 2003: „Negative Dialektik“, Suhrkamp, Frankfurt.

AIK 2003: http://www.antiimperialista.org/index.php?option=com_content&task=view&id
=452&Itemid=0

comité liberté (zus. m. Zusammenschluß antideutscher KommunistInnen Heidelberg) 2006: „Unheimliche Allianzen“ (http://comiteliberte.blogsport.de/2006/06/24/redebeitrag-160606-frankfurt)

Hegel, G. W. F. 1986: „Grundlinien der Philosophie des Rechts“ (Werke 7), Suhrkamp. Frankfurt.

Hessenschau 2006:

http://www.hr-online.de/website/fernsehen/sendungen/index.jsp?rubrik=3058&
key=standard_document_22647266

Hessenschau 2007:

http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/index.jsp?rubrik=15662&
key=standard_document_30016158

Küntzel, Matthias 2006: http://www.matthiaskuentzel.de/contents/warum-leugnet-der-iran-den-holocaust

Scheit, Gerhard 2004: „Suicide attack – Zur Kritik der politischen Gewalt“, ca ira, Freiburg im Brsg..

Scheit, Gerhard 2008: „Der neue Vernichtungswahn und seine internationalen Voraussetzungen. Wodurch sich Ahmadinejads Islamische Republik von Hitlerdeutschland unterscheidet.“ in: Grigat, Stephan/ Hartmann, Simone Dinah: „Der Iran – Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer“, StudienVerlag, Innsbruck, (S. 58 – 78) .

  1. Etwas merkwürdig wird es dann auch, wenn das Antirassismus-Referat des Asta der JLU Gießen zur antifaschistischen „Begleitung“ des Prozesses gegen Marcel Wöll, aufgrund dessen Äußerungen, aufruft und diesen Aufruf mit den Worten schließt: „Wir fordern euch dazu auf dem Prozess in möglichst hoher Zahl beizuwohnen um zu verdeutlichen, dass wir keinen Rassismus in unserer Gesellschaft dulden, dieser mit allen Mitteln bekämpft werden muss und eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema notwendig ist.“ [Hervorhebungen von uns – c.l.]. [zurück]
  2. Gerhard Scheit schreibt diesbzgl.: Der Iran und seine Repräsentanten lassen „den Holocaust als Märchen der Juden erscheinen, um ihn in der Wirklichkeit zu wiederholen.“ (Scheit 2008, 16). [zurück]
  3. In diesem Punkt trifft sich Ahmadinejad dann auch mit der obskuren jüdischen Gruppe Natorei Karta, die ebenfalls auf der Leugnerkonferenz anwesend war und dort sprachen, jedoch nicht den Holocaust leugnen, aber die Zerstörung Israels begrüßen (vgl. Küntzel 2006). [zurück]
  4. Denn wer den Holocaust zum Märchen erklärt, erklärt damit, dass die Juden und Jüdinnen, die Medien, die Geschichtsschreibung u.ä. kontrollieren, nur des Geldes wegen (vgl. Küntzel 2006). [zurück]
  5. D.h. gegen jenen Staat der sowohl den deutschen NS als auch den italienischen Faschismus maßgeblich mittels Waffengewalt (mit-) niedergerungen hat und der heute auch noch gegen antisemitische Vernichtungsphantasien wie bspw. der Iran sie hegt, eintritt; und gegen den Staat der Juden und Jüdinnen weltweit Schutz vor antisemitischer Verfolgung bietet, damit das, was in Deutschland durch die Deutschen geschehen ist, sich nie wiederholen mag. [zurück]

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